Für uns Reisefieber-infizierte sind Städtetrips wie eine heisse Tasse Tee oder ein kühler Waschlappen auf der Stirn. Eine Wohltat, wenn auch nicht komplett das Fieber bekämpfend. Meist reichen wenige Tage, um eine Stadt zu erkunden – perfekt um das Fernweh zu lindern oder eine Portion Reisefreude vor der nächsten längeren Reise einzuholen.

Doch warum immer gleich in ein Flugzeug steigen, wenn man auch einfach mal die Hauptstadt des eigenen Landes erkunden kann?

Im Kindesalter besuchten wir mit der Klasse mal das Bundeshaus. Doch das ist lange her und jetzt mit meinen 24 Jahren ist die Stadt Zentrum meines Studiums. Es wird also dringendst Zeit, ihr mal mehr Zeit zu widmen, als immer nur den Weg vom Bahnhof zum Schulgebäude zurückzulegen.

Ein Solo-Trip wird es nicht, denn meine Freundin Natalie ist wiedermal mit am Start =D. Wir möchten den 1-Tages-Städtetrip nutzen, um auch gleich noch ein paar Eco-Shopping sowie Vegan-Foodspots auszukundschaften. Den längst hat sich der nachhaltige Trend auch in unsere Hauptstadt geschlichen und nebst Unverpackt Läden findet man auch tolle Möglichkeiten, gerettete Lebensmittel zu günstigen Preisen einzukaufen und sich einen Gaumenschmaus in einem der veganen Lokale einzuholen.

Sightseeing-Map

Inklusive Eco-Shopping Empfehlungen & Vegan-Foodspots.

Grüessäch u wiukommä in Bärn

Wir Zürcher sehen unsere Heimatstadt ja gerne als heimliche Hauptstadt der Schweiz. Das Finanz- und Wirtschaftszentrum an der Limmat ist mit über 415’000 Einwohnern die Grösste Stadt der Schweiz. Gefolgt von Genf, Basel, Lausanne und erst auf Platz 4: Bern mit ca. 133’000 Einwohnern. (Zahlen: 2018).

Übrigens benutzt man hier nicht das „Grüezi“ zur Begrüssung, sondern spricht eine etwas weichere Version aus: „Grüessäch“. Überhaupt ist der Berner Dialekt sehr beliebt unter den Schweizern, finden die meisten ihn niedlich und die Berner gelten gerne als gemütliche und etwas langsamere Gesellen. So wirkt sogar die Haupstadt gleich ruhiger als andere Grossstädte.

Bern ist Hauptort des gleichnamigen Kantons, Bundesstadt der eidgenössischen Verwaltung und damit das grösste Verwaltungszentrum der Schweiz. Hier startet unser Städtetrip: Beim Bundeshaus.

Typisch Schweizerisch: Ein Alphorn auf dem Bundesplatz.

Auf dem Bundesplatz davor findet täglich von 11 – 23 Uhr ein Wasserspiel statt. Ausgenommen sind Veranstaltungen oder wenn der Wochenmarkt stattfindet (Di und Sa bis 14 Uhr), sowie die Winterpause ab 1. November bis Frühlingsanfang.

Die 26 Wasserfontänen stehen dabei für die Schweizer Kantone.

Die Berner Altstadt wurde in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Wie in vielen Städten Europas, lohnt es sich auch hier, durch die mittelalterlichen Gassen zu spazieren und die wunderschönen Bauten auf sich wirken zu lassen.

Typisches Bild einer Schweizer Altstadt: Zahlreiche Flaggen, deren abgebildete Wappen kaum noch einer alle auswendig kennt ^^.

Weiter geht es zum Münster, der grössten und wichtigsten spätmittelalterlichen Kirche der Schweiz. Das im gotischen Stil gebaute Bauwerk ragt imposant vor uns in die Höhe.

Bewegt man sich von hier aus Richtung Aare, findet man sich in einem Park wieder, von wo aus man einen tollen Blick auf die Kirchturmspitze hat.

Ausserdem kann man von hier aus das türkisblaue Wasser betrachten, das unter der Kirchenfeldbrücke hindurch fliesst.

In den Schweizer Städten findet man viele Pärke und Wiesen, deren saftiges Grün zum Verweilen einlädt. Bevor wir uns zu einem solchen Plätzchen aufmachen, blicken wir auf eine wunderschöne Anlage: Urban gardening vom feinsten, würden wir mal sagen =D.

Zu Fuss geht es weiter Richtung Bärengraben. Erwähnung am Rande: Die Stadt ist gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vernetzt und die Trams haben sich schon lange in das Stadtbild integriert, doch die Erkundung lässt sich problemlos auch zu Fuss bewältigen.

Finde den Bären.

Am der Altstadt gegenüberliegenden Ufer der Aare liegt der Bärenpark Bern. Das Tiergehege wurde 2009 eröffnet und ist teil des Tierparks Dählhölzli. Dieser befindet sich etwa 2km südwestlich an der Aare. Hier kann man das Wappentier der Stadt und des Kantons Bern in lebender Form bewundern (Keine Eintrittsgebühr).

Der alte Bärengraben. Quelle: https://www.holidaycheck.ch

Der ursprüngliche Bärengraben stand wiederholt im Fokus der Tierschützer, die eine nicht artgerechte Tierhaltung kritisierten. Die Haltungsbedingungen wurden deshalb verbessert. Die Anzahl der Bären wurde verringert, es wurden Klettermöglichkeiten geschaffen und der Betonboden durch natürlichen Boden ersetzt.

Der alte Bärengraben wird heute noch für Anlässe genutzt oder um die Bären für kurze Zeit im Graben zu halten, wenn die grosse Anlage gereinigt oder Futter verteilt wird.

Die Schweizer Hauptstadt liegt an einer Schleife der Aare, die das Stadtbild zusammen mit den gut erhaltenen mittelalterlichen Bauten und prunkvollen Kirchtürme so besonders macht. Läuft man Richtung Rosengarten den Hügel hinauf, wird man mit einem wunderbaren Panorama der Hauptstadt belohnt.

Unsere knurrenden Mägen verschlagen uns schliesslich ins Outlawz Diner.

Das moderne Lokal bietet ausschliesslich Vegane Gerichte an. Zu Beginn irritiert mich die Speisekarte etwas. Bekannte Klassiker werden in veganer Abwandlung angeboten und mit lustigen Namen wie „Mossarella Fingers“ und „Crispy Tschicken Sticks“ angepriesen. Nicht nur mich bringt die Speisekarte zum stocken. Am gegenüberliegenden Tisch lauschen wir dem Gespräch der zwei Herren mit der Kellnerin mit, die durch das Graffiti am Eingang ins Lokal gelockt wurden und statt gewünschtem Fleischburger von noch viel leckereren veganen Burgern überrascht wurden. Was für ein tolles Konzept mit unglaublich leckeren und komplett frisch zubereiteten Gerichten!

Den ausführlichen Bericht dazu findet ihr in Natalie’s Foodblog.

Crispy Tschicken Sticks und Mossarella Fingers.
Der Green Mountain Burger und die Buddah Bowl.

Gestärkt spazieren wir weiter zur Kleinen Schanze, von wo aus man das Bundeshaus nochmals aus einer anderen Perspektive aus sieht. Die niedliche Parkanlage bietet Sitzgelegenheiten, um die vollen Bäuche verdauen zu lassen.

Als Abschluss laufen wir unter der Zytglogge hindurch. Der mittelalterliche Uhrtum stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente einst als Stadttor. Kurz vor jeder vollen Stunde versammeln sich hier immer zahlreiche Touristen und Schulklassen, um das Figurenspiel mit dem Bärenzug, dem Narren, dem goldenen Hahn und dem Gott der Zeit (Chronos) zu beobachten.

Unser Städtetrip wird abgerundet durch die Zugfahrt aus dem Bahnhof heraus, wo man nochmals ein wunderbares Bild auf die Schweizer Hauptstadt erhascht – bei gutem Wetter sogar mit Bergpanorama im Hintergrund. Tourist sein in der Heimat – immer wieder eine tolle Erfahrung, bei der man die Schönheit vor der Haustür mal wieder mit einem viel offeneren Blick betrachtet.

** Dieser Beitrag enthält keine bezahlte Werbung und beruht auf Empfehlungen und eigenen Erfahrungen.