1 Woche nach dem traumhaften Ausflug zum Gelmersee zieht es mich erneut in die Grimselwelt. Es war auf meinem Flug nach Prag, als ich über die Triftbrücke gelesen habe und der tolle Beschrieb Lust auf einen Ausflug zur Hängebrücke machte.

Eine 1-stündige Autofahrt führt uns von Thun aus vorbei an Interlaken in die alpine Grimselwelt. Die Talstation befindet sich bei Gadmen, wo bereits einige der kostenlosen Parkplätze besetzt sind. Es empfiehlt sich, die Tickets für die Gondel vorab zu reservieren, da pro Fahrt nur maximal 8 Personen drin Platz finden.

Für die Wanderung inkl. Pausen haben wir 4 Stunden einberechnet.

Abenteuerlich schwebt die Gondel über die Triftschlucht und bietet atemberaubende Tiefblicke. Bereits hier wird klar, dieser Ausflug ist nur für schwindelfreie ;).

Nach 10min erreicht man die Bergstation, wo sich ein kleiner Kiosk befindet, der Erfrischungsgetränke und sogar warme Speisen, wie auch Snacks anbietet. Hier kann man nochmals auf Toilette gehen und die Wasserflaschen auffüllen (das Kein-Trinkwasser Schild habe ich dabei mal ignoriert ^^). Ich empfehle, pro Person mind. 2 Liter mitzutragen, denn es liegt ein 1.5-stündiger Aufstieg vor uns.

Überblick des Wandergebiets.

Oben angekommen muss ich erstmal die Landschaft in mich aufsaugen. Wauw! Da denkt man, langsam sollte jeder Berg gleich für einen aussehen, und dann wir man mit so einer Landschaft überrascht. Die Schweizer Alpen sind immer wieder atemberaubend. Ich denke mir, wenn das für mich als geborene Schweizerin schon so ein Spektakel ist, wie ergeht es dann den Touristen, die zum ersten Mal vor solchen Bergmassiven stehen?

Besonderes Gefallen finde ich auch an dem Stausee, dessen Form an ein Herz erinnert.

Die Wanderroute ist gut ausgeschildert und unschwer erkennbar, da wir nicht die einzigen sind, die den sonnigen Tag für einen Samstagsausflug nutzen und einige Wanderer als kleine Punkte in der Ferne erkennbar sind. Wir überqueren den lauten Fluss, dessen Schmelzwasser vom Gletscher zum Herzstausee fliesst, und beginnen den anstrengenden Aufstieg über Steine und Geröll.

Während ein paar kurzen Verschnaufpausen bestaunen wir die Alpenflora und lauschen den Glockenklängen der Schafe, die hier oben weiden.

Nach ungefähr 1 Stunde haben wir 2/3 der Etappe geschafft und erreichen eine Verzweigung, von wo aus man die Triftbrücke entweder in 30min oder in einer weiteren Stunde erreichen kann. Ausgelaugt verdrücken wir unsere mitgebrachten Bagelsandwiches, während ich im durchgeschwitzten T-Shirt schon beinahe zu frösteln beginne. Die Wasserflasche ist bereits jetzt leer und unsere Kehlen entsprechend ausgetrocknet. Wir entscheiden uns (natürlich) für den kürzeren Weg und passieren den Felsen zu seiner Linken.

Wer dachte, wir befinden uns schon in der absoluten Höhe, dem wird erst jetzt bewusst, wie hoch wir tatsächlich sind. Der Wanderweg schmiegt sich an einer Felswand entlang und bietet links Ausblicke in die Tiefe. Unten lockt der milchig blaue Fluss zum Baden und verweilen, wovor jedoch nicht nur der Abgrund abschreckt, sondern auch einige Schilder vor unvorhersehbaren Wasseranstiegen warnen.

Wie der Fluss schlängeln auch wir uns durch die Bergkulisse, wobei uns immer wieder Schmetterlinge in roten, orangen und brauntönen um die Nase fliegen und unser Schnaufen nur durch das Summen der Insekten übertönt wird.

Schliesslich sichten wir unser Ziel in der Ferne: Die Triftbrücke! Der Höhepunkt der Wanderung. Mit einer Spannweite von 170 Metern führt die Hängeseilbrücke in 100m Höhe über den Abgrund der Schlucht. Für das Überschreiten der schaukelnden Konstruktion ist definitiv eine Portion Mut nötig, doch als Belohnung warten umwerfende Ausblicke auf den Gletschersee.

In der Ferne erblickt man die Zunge des Triftgletschers, der sich über die letzten Jahre hinweg enorm zurückgezogen hat. Kaum vorstellbar, doch bis Mitte des 19, Jahrhunderts reichte der Gletscher bis fast zur Bergstation. Für die Stelle, die man früher noch zu Fuss überwinden konnte, muss heute die Hängebrücke herhalten. Der See entstand erst über die letzten 19 Jahre aufgrund des Gletscherrückzugs. Es ist nur abzuwarten, bis der Triftgletscher der Klimaerwärmung erliegt und komplett verschwindet.

Die Auswirkungen der Klimaerwärmung…

Um euch keine falschen Erwartungen vorzugaukeln: Der See ist eher grünlich, wie auf den Handyfotos oben, wirkt auf den GoPro-Aufnahmen jedoch türkisblau.

Was für eine Aussicht, die den mühsamen Aufstieg sowas von Wert war! Die grossen Felsen auf beiden Seiten der Brücke dienen als wunderbare Rastplätze und laden zum verweilen ein. Ja nächstes Mal, da werde ich ein Picknick mit einpacken =D.

Was muss ich wissen, bevor ich hierhin gehe?

  • Die Tickets müssen mit genauer Zeitauswahl der Bahn vorab online reserviert und 15min vor Abfahrt im Tickethäuschen bei der Talstation abgeholt werden.
  • Die Bahn ist nur von Mitte Juni bis Mitte Oktober geöffnet.
  • Zwischen den Fahrten empfehle ich mind. 4h Zeit für die Wanderung und den Aufenthalt im Triftgebiet.
  • Die Talfahrten kann man nur bis 16 Uhr online reservieren. Die Gondel fährt jedoch bis ca. 17 Uhr zurück nach Gadmen (im Juli + August). Wer seine Abfahrt verpasst, muss hoffen, sein Ticket gegen eine andere Abfahrtszeit eintauschen zu können und ansonsten hinunter wandern.
  • Mehr Infos unter https://www.grimselwelt.ch/bahnen/triftbahn
  • Bei der Talstation stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Die Anreise kann auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen, dauert jedoch schnell mal doppelt so lange.
  • Gutes Schuhwerk wird vorausgesetzt!
  • Nichts für „Höhenängstler“!
  • mind. 2 Liter Wasser dabeihaben + Snacks oder ein Picknick (wunderbare Picknickmöglichkeit auf den Felsen bei der Hängebrücke)
  • Der Weg hoch ist anstrengend, und mit zitternden Beinen ist beim Rückweg besondere Vorsicht geboten, damit man nicht ausrutscht und auf den Allerwertesten plumpst.
  • (Drohne einpacken ;)).
  • Weitere Sehenswürdigkeiten in der Grimselwelt Region: Aareschlucht, Rosenlauischlucht, Reichenbachfall, Gelmerbahn.

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