Gerade jetzt im Sommer ist die Aare wieder in aller Munde. Tagtäglich zieht es zahlreiche Wasserratten mit ihren Gummibooten auf den türkisblauen Fluss.

Quelle: Wikipedia

Mit ihren 288km ist sie der längste gänzlich innerhalb der Schweiz verlaufende Fluss. Ihren Ursprung hat sie in den Berner Alpen, von wo aus sie mit einem Abstecher durch den Brienzer-, Thuner- und Bielersee durch Bern, Solothurn und Aargau führt und im nördlichsten Zipfel der Schweiz in Koblenz in den Rhein mündet.

Mit dem Anstieg der Temperaturen steigen jedoch auch die Unfälle bei der nicht ganz ungefährlichen Freizeitaktivität. Starke Strömungen, unterschätzte Wassermassen und gefährliche Schwellen haben schon zu einigen Unfällen, ja sogar Todesfällen geführt.

Auch beliebt: Das Flusssurfen in Thun.

Was also einst auf meiner „Thun-meine-neue-Heimat“-Bucketlist stand, ist nach zahlreichen Warnungen und Erzählungen ziemlich in den Hintergrund gerückt. Was hingegen schon lange präsent ist, ist ein Besuch der Aareschlucht.

Denn nicht nur der Verlauf der Aare durch die wunderschöne Kleinstadt Thun und den mittelalterlichen Stadtkern unserer Hauptstadt Bern ist ein Ausflug wert. Etwas weiter hinten, nämlich in der Haslital Region, genauer gesagt bei Meiringen, verläuft der Fluss durch eine Felsschlucht. Nach einem spontanen positiven Wetterumschwung, entschieden Natalie und ich uns für einen Halbtagesausflug zu benannter Schlucht.

Die Anreise mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln dauert schnell mal mehr als doppelt so lang, als die Autoanreise. „Da liegt halt auch meistens wieder irgend ein Berg dazwischen“, fasst Natalie die etwas mühsame Anreise passend zusammen. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir schliesslich den Westeingang der Aareschlucht.

Gegen unsere Erwartung, treffen wir bereits hier an diesem sonnigen Donnerstagmorgen auf zahlreiche Besucher. Denn obwohl die Sommerferien vorbei sind, ist dieser touristische Hotspot längst kein Geheimtipp mehr und man muss definitiv damit rechnen, auf dem schmalen Weg immer wieder anderen Besuchern ausweichen zu müssen.

Der Weg ist sehr gut ausgebaut und führt mit einer Breite von 1-2 Metern mal über und durch die Felsen und mal an den steilen Klippen entlang. Die Stahlträger sind so gut verankert, dass man definitiv keine Angst haben muss, seitlich herunter zu stürzen.

Zu unserer Linken sehen wir die namensgebende Aare, deren wunderschönes türkis-blau aufgrund der Massen an Schmelzwasser einem milchigen Farbton gewichen ist.

Kleiner geologischer Exkurs

Über Zehntausende von Jahre hinweg hat die Aare ihren Verlauf durch die Kalkfelsen erodiert. Daraus entstand eine Schlucht, die insgesamt 1.4km lang ist, teilweise bis zu 200m tief und an gewissen Stellen eine Breite von nur 1-2m aufweist. Wenn wir ca. 130-60 Mio. Jahre zurückgehen, als die Schweiz noch ein Meer war, verfestigten sich Meeresablagerungen (Sedimente in der Thetis) zu Kalkgestein. Vor ca. 15 Mio. Jahren entstand die Alpenfaltung, als die Ozeanische Kruste unter den Afrikanischen Kontinent abtauchte. Das Gebiet in der heutigen Aareschlucht jedoch wurde nicht verschoben und kaum verfaltet, weswegen der Kalkstein wenig zerklüftet und zerbrochen und damit ziemlich resistent gegen Eis- und Wassererosion ist. Die Gletscher der Eiszeiten von 1-2 Mio. Jahren haben den Fels somit abgeschliffen aber nicht abgetragen.

Fotoinput: Langzeitaufnahmen

Wer kennt sie nicht, die tollen Fotoaufnahmen von Wasserfällen, auf denen das Wasser wie ein weicher Vorhang wirkt? Nicht nur das Naturspektakel an sich hat es mir angetan, auch die Fotos haben den Wunsch in meinem Kopf verfestigt, selbst solche Aufnahmen zu Stande bringen zu können.

Quelle: Google Bilder

Der Haken an der Sache: Mein treuer Begleiter, die Handykamera, reicht für solche Aufnahmen nicht aus. Eine Kamera mit manueller Blende- und Verschlusszeiteinstellung muss her – wie passend, dass meine Freundin Natalie professionelle Fotografin ist =). (*Werbung weil wunderbarer Mensch 😉 )

Die heutigen Bedingungen sind etwas ungeeignet aufgrund der sehr starken Sonnenbeleuchtung und zu wenigem Kontrast der milchigen Aare. Der Mangel der Speicherkarte ist natürlich auch etwas problematisch, doch dieser Funfact mal nur am Rande ;P.

Für die Aufnahmen muss die Blende (F) möglichst hoch eingestellt werden. Wir haben mit F22 experimentiert. Die Verschlusszeit (= Belichtungszeit) muss ebenfalls höher bzw. auf eine längere Dauer gestellt werden. Es gilt: Je kürzer/tiefer die Verschlusszeit desto statischer das Bild. Die längere Belichtungszeit ergibt also die Langzeitaufnahmen.

Da das ideale Licht eine grosse Rolle für solche Aufnahmen spielt, ist die ideale Tageszeit bei Sonnenauf- oder Untergängen, der fotografischen „Golden Hour“.

Sage um die Aareschlucht

Quelle: https://www.tatzel-wurm.ch / Wikipedia

1814 berichtete ein Berner Naturforscher von dem Ungeheuer in der Aareschlucht. Überlieferungen zu folge glaubte man an eine Art Schlange mit rundem Kopf und kurzen Füssen. Der Tatzelwurm, was bei einigen eher Kindheitserinnerungen auslösen mag, ist ein Fabeltier aus den Alpen, der einem Drachen ähnelt. Das Wesen ist halb Schlange, betrachtet man den Unterleib und besitzt Klauenbesetzte Vorderbeine. Es erinnert an eine reptilienartige Raubkatze. Die Sage um den Tatzelwurm ist im Berner Oberland und im Südtirol bekannt und man findet sie auch in weiteren Teilen der Schweiz, wie beispielsweise um den Pilatus in Luzern.

Die Wanderung durch die ganze Aareschlucht dauert ca. 40 Minuten. Wer mag, kann denselben Weg zurück gehen. Als Alternative bietet die Meiringen-Innertkirchen-Bahn die Möglichkeit, per Bahn zurück zu fahren.

Wie entscheiden uns für letztere Variante und verlassen die Schlucht beim Ost Aus-/Eingang.

Ein Geheimtipp sei wohl die ca. 20 Autominuten entfernte Rosenlauischlucht. Hierhin soll es uns das nächste Mal ziehen. Ausserdem auch zum berühmten Sherlock-Holmes Wasserfall: Dem Reichenbachfall. Nächstes Mal dann mit Speicherkarte bewaffnet ;). Bis bald!