Der Bali Boom hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So einiges wird über die Insel erzählt. Einige – so wie wir – lieben sie und kehren immer wieder gerne hierhin zurück, anderen ist der hinduistische Teil Indonesiens bereits zu überlaufen. „Bali ist das neue Thailand“ hört man oft. Ein Ort wo Surfer und Yogis aufeinander treffen und fancy Fotos von Acai Bowls und floating Breakfasts im Pool gemacht werden oder man sich auf einer der zahlreichen Schaukeln im türkisfarbenen Wasser abknipsen lässt. Ja zum grossen Boom hat Instagram sicherlich seinen Teil beigetragen, befinden sich doch einige der wohl meistgeposteten Spots rund um die Insel. Und auch wenn ich mich mittlerweile aus zahlreichen Gründen von dieser Plattform entfernt habe, lockte auch mich Instagram vor 1 Jahr nach Nusa Penida, wo sich die berühmte Dinokopf-Klippe, der Kellingking beach, befindet. Südöstlich von Bali, nur ca. 1h mit dem Speedboat entfernt, befinden sich die 3 Inseln Nusa Lembongan, Ceningan und Penida. Während man die wirklich schönen Strände auf Bali selbst eher suchen muss, sind diese Inseln rundum, ich würde mal sagen, Postkartenmotiv-gesäumt =D.

Quelle: https://marlinfastcruise.com/map.php

Nusa Penida ist die grösste der dreien. Auf der Insel der Abenteurer, wie sie aufgrund ihrer unberührten Flecken und Schotterpisten gleichenden Strassen gerne genannt wird, hatten wir letztes Jahr einige unvergessliche Erlebnisse. Nun sind wir neugierig auf die kleineren Geschwisterinseln. Von Nusa Lembongan habe ich bisher nur gehört, es soll quasi die Partyinsel der dreien sein. Nusa Ceningan erreicht man von dort aus über die verbindende gelbe Brücke.

Übers Internet sind wir auf einen guten und günstigen Anbieter gestossen, den ich hier gerne weiterempfehlen möchte (muss man nun wohl wieder als unbezahlte Werbung kennzeichnen :P). Für nur 400k IDR pro Person (= ca. CHF 28.-) sind Hin- und Rückfahrt, sowie Abholservice in Ubud und Bringservice an den Flughafen inkludiert. Ein grösseres Schnäppchen findet man wohl kaum und die unkomplizierte Online-Buchung erspart mein ungeliebtes Preisverhandeln =D

Tag 4 – Mittwoch 3. Juli – Ankunft auf Nusa Lembongan

Für die Ankunft lasse ich jetzt mal nachfolgendes Bild für sich sprechen *-*

Selina’s Bootfahrts-Anti-Übelkeits-Tipps

Vielleicht ist der ein oder andere mal noch froh drum, die Überfahrten sind wirklich schwankig.

  • Ein sich nicht bewegendes Ziel fixieren (Festland oder den Horizont)
  • Einen Fensterplatz ergattern und wenn möglich das Fenster öffnen
  • Tiefes Einatmen reduziert angeblich aufkommende Übelkeit, wie mir zumindest mal ein Biologielehrer erklärte. Durch das Einatmen löst sich der Druck auf die Speiseröhre, oder so (sry, den Lehrer haben wir damals lieber angehimmelt, als ihm zuzuhören 😛 Grüsse an meine HMS-Clique :D)
  • Handy und Buch weg
  • Minzkaugummi kauen
  • Wasser trinken
  • … und natürlich vorab eine Übelkeitstablette nehmen
  • Im hinteren Bereich sitzen (schlägt weniger auf bei den Wellen)

Willkommen auf Nusa Lembongan! Beim Anblick der traumhaften Aussicht von unserer Unterkunft aus runter auf die Mangroven und auf die Nebeninsel Nusa Ceningan fällt uns die Entscheidung leicht, den Rest des Tages im Pool zu verbringen und dem Meer beim Wechsel von Flut zu Ebbe zuzuschauen. Eine Miniversion vom Whiteheaven beach.

Tag 5 – Donnerstag 4. Juli – Nusa Ceningan mit dem Roller erkunden

Wie habe ich es vermisst, das Rollerfahren in Indonesien. Beziehungsweise das hinten mitfahren, das Fahren überlasse ich wie immer ganz verwöhnt Dominique, der das sowieso besser drauf hat als ich :P. Wie immer erhält man den Mietroller hier ohne Helme. Spiegel und Nummernschild werden ebenfalls überbewertet und hurra, unser Modell hat gleich von Beginn an einen platten Hinterreifen ^^‘ – auf ins Abenteuer 😀

Vorsicht beim Selfie-machen. Die Unaufmerksamkeit des vor uns fahrenden Paares führte doch tatsächlich zu einem beinahe Unfall mit einer entgegenkommenden Fahrradfahrerin.

Wir überqueren die Yellow Bridge, das verbindende Glied der beiden Inseln, welche wie ich später erfahre, im Jahr 2016 9 Leben in den Tod gerissen hat. 2017 wurde nicht nur eine stabilere Konstruktion erbaut, die Überquerung ist nun nur noch für Fussgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer möglich.

Im Westen der Insel halten wir beim Mahana Point, dem Surf Place. Der Spitzname scheint mir beim Anblick der riesigen Wellen eher unpassend, doch siehe da, tatsächlich wagt sich ein Wellenreiter ins wilde Meer.

Der kleine Punkt inmitten der meterhohen Welle.

Eine Zeit lang beobachten wir das Schauspiel und halten bei jeder hereinrollenden Welle kurz die Luft an. So riesige Wellen haben wir beide noch nie gesehen! Einige male müssen wir sogar im vermeintlich sicher gelegenen Restaurant zurückweichen, so hoch spritzen die Fluten des wilden Meeres.

Unweit davon entfernt erreichen wir die Blue Lagoon. Was nach Badeparadies klingt, bleibt jedoch auch optisch nur eine Versuchung. Die Bucht ist ein wunderschöner Fotospot, zum Schwimmen jedoch völlig ungeeignet.

Während die Hauptstrassen überraschend gut ausgebaut sind, verwandeln sich einige Seitenstrassen plötzlich in Kieswege oder verschwinden komplett und man findet sich in einem Mini-Offroad Abenteuer wieder. In Domi erwacht dann immer der kleine junge und begeistert stäubt er die trockene Landschaft auf.

Währenddessen ziehen mich erneut die wilden Küstenbereiche in ihren Bann. Bedrohlich stürzen die Wellen über die rauen Klippen und fliessen wie ein Wasserfall zurück ins Meer. Ob man’s glaubt oder nicht, aber nur ein paar Meter weiter rechts von diesem Bild standen einige Einheimische auf einem Klippenvorsprung und angelten!

Auch wenn’s die Einheimischen vortun, nachmachen sollte man definitiv nicht alles, denn die Insel hat es nicht nur mit dem Brückeneinsturz in die Schlagzeilen gebracht, sondern beherbergt auch weitere Plätze, an denen Vorsicht geboten sei. Die Mutigen unter uns können sich Ihre Dosis Adrenalin nebst den zahlreichen Cliffjump-points auch auf der kurzen Zipline holen.

Zwar nicht sichtbar, aber über diese Bucht verläuft die Zipline.

Uns genügt das geniessen der kontrastreichen Landschaft und wir fahren in den höher liegenden Süden der Insel, von wo aus man eine spektakuläre Aussicht auf die Nachbarinsel Nusa Penida hat. Wir erkennen die Schnorchelbucht vom Vorjahr und trinken unsere Stammgetränke: Iced Lemon Tea (mit viel Zucker) und das lokale Bintang Bier. Das überteuerte Singapur Luxushotel kann einpacken! In Bali kriegt man die Infinity Pools mit Ausblick umsonst und ohne Stress um den besten Fotoplatz.

Weil Nusa Ceningan so schnell umrundet ist und der Tag noch so viele Stunden hat (obwohl es hier bereits um 18 Uhr stockdunkel wird), fahren wir noch die Ostküste von Nusa Lembongan entlang. Vorbei an den Mangroven erreichen wir den Mangrove Point, welcher im Ebbezustand eher einen grusligen und vermüllten Anblick mit sich bringt. Hier ist der Ausgangspunkt der Bootstouren durch den Wald der im Wasser stehenden Bäume.

Auf dem „nach Hause“ Weg versuchen wir den mittlerweile komplett platten Hinterreifen mit einem Halt bei einer Werkstatt einigermassen zu retten und schleppen uns schliesslich bei Einbruch der Dunkelheit den Hügel hinauf zurück zu unserer Unterkunft.

Hier lassen wir den Abend ausklingen, beobachten Fledermäuse, wie sie sich Wasser aus dem Pool holen und füttern zusammen mit dem Koi-Typen (so nennen wir ihn aufgrund seiner Tattoos am Arm) die schillernden Fische.

Tag 6 – Freitag 5. Juli – Mangroven und Secret Beach

Unser Bungalow ist eines der Sunrise Hut Ferienanlage. Dem Namen alle Ehre machend, werden wir jeden Morgen vom Sonnenaufgang geweckt.

Ein wohliger Start in den Tag. Heute werden unsere nicht vorhandenen Muckis hinausgekitzelt. Gegen 11 Uhr finden wir uns erneut am Mangrove Point ein, wo wir bereits am Vortag ein Kajak für die Tour auf eigene Faust reserviert haben. Eine Stunde lang paddeln wir durch den Mangrovenwald. Das Zwitschern der Vögel wird durch das Plätschern der ins Wasser tauchenden Paddel unterbrochen und hin und wieder begegnen wir einigen Stand-up-paddlern, die bemüht ihr Gleichgewicht bewahren und sich gegenseitig auslachen, wenn jemand ins Wasser fällt. Die Stunde reicht dann aber auch aus, so spektakulär ist die Attraktion dann auch wieder nicht, aber mal eine nette Abwechslung =).

Über den Panoramapoint, welcher einen netten Ausblick auf den Jungutbatu Beach, wo wir mit dem Boot angekommen sind, bietet, fahren wir Richtung Badestrand – wie hiess er noch gleich? Die Verzögerung der Google-maps Offlinekarte führt schliesslich dazu, dass wir uns plötzlich an einem vermeintlichen Secret Beach wiederfinden.

Was für eine Augenweide! Kann man das auch zu einem Strand sagen? Wir befinden uns am Tamarind Beach, den ich definitiv in die Kategorie Secret Beach einordne. Zwar befinden sich hier ein paar Tauchresorts, jedoch kaum Touristen. Vielmehr Einheimische, die mit dem Local Boat ein- und ausgeladen werden, die Fracht dabei gekonnt auf dem Kopf balancierend.

Mit dem Surfbrett liesse es sich um die Felsen zu den kleinen Buchten paddeln, wo man erst recht abgeschottet wäre und seinen persönlichen kleinen Strand hätte. Unser erster Schwumm im Salzwasser der diesjährigen Indonesienreise.

Wenn man die Yellow Bridge nach Nusa Ceningan überquert und dann rechts abbiegt, reiht sich ein Restaurant an das andere. Die Bässe der Fancy Bars dröhnen um die Wette und wir verirren uns in die Seabreeze bar. Trotz lauter Partymusik herrscht eine entspannte Abendstimmung. Ein leichter Shishageruch liegt in der Luft und auf jedem Tisch stehen bunte Fruchtcocktails. Im Infinitypool tummeln sich die letzten Wasserratten. Das Wasser im Meer davor ist zurückgewichen und die Sandlandschaft gleicht einer Wüste, in der die kleinen zurückgebliebenen Pfützen in der untergehenden Sonne glitzern.

Tag 7 – Samstag 6. Juli – Beim gefährlichen Devil’s Tear

Wenn man den nächsten Ort googelt, so ergibt die Suche zahlreiche Warnmeldungen und Unfallberichte. Der Devil’s Tear gilt als der gefährlichste Ort auf Nusa Lembongan und doch lockt er täglich zahlreiche Touristen hierhin.

Gefährlich klatschen die hereinkommenden Wellen an die Bucht. In der einen Sekunde noch sieht der natürliche Infinity Pool friedlich aus, doch das kann sich schon in der nächsten schlagartig ändern. Es ist ein atemberaubendes Naturschauspiel und doch haben sich hier schon zu viele Besucher zu nah an die Fluten getraut und ihr Leben gelassen oder sind mit fiesen Verletzungen davongekommen.

Wir halten sicheren Abstand und verziehen uns nach einem Weilchen zur sicheren Mushroom Bay zurück.

Tag 8 – Sonntag 7. Juli – Beim Barber + Surfcontest

Tag 8 der 5-wöchigen Reise und Domi sieht schon ein bisschen verwildert aus :P. Am Vortag ist uns ein Schild zu einem Barbershop ins Auge gestochen. Heute folgen wir der Ausschilderung an einem der wunderschönen Tempelanlagen und finden ganz versteckt inmitten der engen Gassen den Barbershop von Rusteng.

Domi lässt sich hier also Kopf und Bart auffrischen. Das Ergebnis ist wirklich top und die umgerechnet nur CHF 7.- dafür unschlagbar. Das wäre zu Hause definitiv um einiges teurer. Hinzu kommen die tollen Gespräche mit dem ursprünglich aus Sumatra stammenden Indonesier. Studiert hat er sein jetziges Hobby/Beruf in Java und sich nun auf Nusa Lembongan das kleine Geschäft eröffnet. Anschliessend spielt er uns sein Lieblingslied, Layla von Eric Clapton, auf der Gitarre vor. Uns scheint langsam, jeder in Indonesien kann Gitarre spielen und singen. Er habe sich das selbst beigebracht. Nun lebt er tagtäglich seine Leidenschaft aus, das „Barbern“ und Gitarre spielen, und überlegt sich, noch eine kleine Bar im leeren Teil des Shops zu eröffnen oder aussen eine Scooter-Waschanlage herzurichten.

Nach dieser tollen Bekanntschaft fahren wir zum Hidden Beach, der ausgeschildert ist als Secret Beach. Wie zu erwarten, handelt es sich nicht mehr wirklich um einen Geheimstrand. Von weitem hören wir schon laute stimmen „like a Tsunami… Wooooh, wow…“, was geht denn da ab?

Als wir den Weg zum Strand hinuntergehen wird schnell klar: Hier findet gerade ein Surfcontest statt! Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen und beobachten den Wettkampf eine Weile. Zuerst sind die Erwachsenen dran. Und wie die’s drauf haben! Es gibt kaum eine Welle, die sie nicht erwischen. Anschliessend sind die Kleinen dran. Ohne Hemmungen tanzen sie mit dem Brett über die mächtigen Wellen, als wäre es ihnen in die Wiege gelegt worden.

Der Hidden Beach ist (Spoiler Alarm: und bleibt) für mich der wunderschönste Strand! Der puderweiche Sand, das Blaue Wasser und die abschliessenden Felsen… In der Ferne sticht der Vulkan Agung aus einer Wolkendecke, einfach ein Traum! Der Surfwettbewerb war dabei noch das i-Tüpfchen.

Dementsprechend kann diesem schönen Strand der eigentlich namenstragende Dream Beach nicht mehr konkurrieren. Schilder warnen vor der starken Strömung in diesem Küstenteil, was das Schwimmen hier nicht gerade reizvoll macht. Dementsprechend locken die Resorts rundherum mit Infinitypools und Sonnenliegen. Wir begnügen uns mit einem kühlen Getränk zum Wellenbeobachten.

Tag 9 – Montag 8. Juli – Weiterreise

Time to say goodbye :(. Nachdem wir unseren Aufenthalt sogar noch verlängert haben, wird es heute Zeit, Abschied zu nehmen. Die liebevolle Mitarbeiterin möchte zum Abschluss noch ein paar Fotos mit uns schiessen und freut sich schon, wenn wir das nächste Mal wiederkommen. Es sind wohl Abschiede über Jahre hinweg, was uns bei der Herzlichkeit der Indonesier immer sehr schwer fällt. Doch die Begegnungen bleiben immer in wunderschöner Erinnerung und weitere davon warten nun in für uns neuen Gebieten. Next island: Flores!

Ein Bakso-Wägeli vor uns =D, Streetfood auf 2 Rädern.