Lange mussten wir nicht überlegen, bis die Wahl für unser diesjähriges Urlaubsziel feststand. Da aufgrund meines Studienplans nur die Hochsommermonate in Frage kamen und die Monate Juli und August in die Indonesische Trockenzeit fallen, waren Domi und ich uns schnell einig. Bali soll es sein, die Insel, auf der wir uns letztes Jahr während meiner Weltreise getroffen haben und die sich ab dem ersten Tag in unsere Herzen katapultiert hat.

Als Schweizer Staatsbürger erhält man in Indonesien bei der Einreise ein 30-Tage Visum in den Stempel. Da wir wieder einen kompletten Monat im Land verbringen möchten und auf den Juli gleich der Schweizer Nationalfeiertag am 1. August folgt, kann Domi sogar 5 Wochen bei seinem Arbeitgeber herauslocken und wir beantragen knapp 2 Wochen vor Abflug das 60-Tage Single-Entry Visum auf der Indonesischen Botschaft in Bern, um möglichst viel aus unserem Indonesien-Trip herausholen zu können.

Denn die Anreise hat es schon in sich. Mit Singapore Air fliegen wir zuerst 12h in den gleichnamigen Stadtstaat. Die Umsteigezeit von nur 1h ist sehr knapp kalkuliert und so werden wir zusammen mit den weiteren Fluggästen im Expresstempo durch die Kontrolle geschleust und in den Anschlussflug gesetzt, mit dem wir nach weiteren 3h schliesslich den Landeanflug auf Bali ansteuern.

Willkommen auf den Vulkaninseln.

Trotz der angenehmen Flüge habe ich kaum ein Auge zu getan. Ja, letztes Jahr war das etwas angenehmer, da ich mich bereits auf dieser Seite der Erdkugel befand. Doch nach dieser Anreise von Europa aus fühle ich mich völlig geschreddert. Und als würden die 30 Stunden Schlaflosigkeit nicht schon ausreichen, kommt es zu einem Dejà-vue vom Vorjahr: Unser Gepäck ist nicht angekommen. Tatsächlich sind wir dabei nicht die einzigen, wie die lange Schlange vor dem Infoschalter zeigt. Eine ganze Ladung wurde wohl in Singapur falsch aufgeladen, sei jedoch bereits mit dem nächsten Flug ab Singapur unterwegs. Immerhin: Die Entschädigung für die Verspätung des Gepäcks finanziert uns gleich die ersten 3 Nächte in Bali 🙂

Es heisst also weitere 2h warten und nachdem dann auch das kaputte Gepäckband wieder läuft: Gepäck aufladen, Taxi suchen und während der 1-2 stündigen Fahrt nach Ubud, die je nach Stau und Verkehrslage stark variiert, die Augen offen halten. Da ist man dann wirklich mal dankbar um die hupende Fahrweise der Indonesier. 😀

Das Nationalgericht Mie Goreng: Gebratene Instant-Noodles mit Gemüse (traditionell noch mit Spiegelei)

Kulturschock 2.0, irgendwie realisieren wir noch gar nicht wirklich, dass wir nun hier sind. Noch verwirrender schien wohl die Zeitverschiebung zu sein, weswegen ich erschreckend feststelle, dass ich unser Hotel einen Tag zu früh gebucht habe. Aber hey, wir sind jetzt ja in Bali! Hier wo die Leute so freundlich sind, wie ich sie sonst noch nirgends erlebt habe und wo es immer irgendeine Lösung für ein Problem gibt. Völlig unkompliziert checkt uns also das niedliche Grossväterchen an der Rezeption ein und bei meinem ersten Mie Goreng versuche ich zu realisieren, dass gerade die nächste unglaubliche Reise startet, bevor ich völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf falle.

Ausgeschlafen starten wir in den ersten richtigen Tag. Der einfachste Weg der Fortbewegung ist natürlich per Roller. Helme aufgeschnallt und ab die Post. Hier in Ubud, wo es mehr Tempel als Wohnhäuser gibt, kommen wir sofort in das Bali-Feeling. Ein Tempel nach dem anderen zieht an uns vorbei. Vor einigen steigen die Rauchschwaden der Räucherstäbchen auf und überall sieht man die typischen kleinen Opfergaben, die den Göttern und Dämonen huldigen sollen. Das Leben findet auf den Strassen statt, was die Fahrt umso spannender macht. Essensstände, die Gerichte wie Bakso (Fleischbällchen) anbieten, Hunde die einem beinahe vor das Rad laufen, Hühner die hingegen gackernd davonflattern, und laut lachende Kinder, die einem beim vorbeirennen grüssend winken. Allein diese Fahrten sind ein Erlebnis für Augen und Nasen und ich halte mein begeistertes Grinsen nur zurück, damit uns der Fahrtwind keine ungewollte Proteinportion in Form von Insekten verabreicht.

Beim Elephant Cave, der hinduistischen Tempelanlage Goa Gajah inmitten des Dschungels, halten wir zum ersten Mal und erkunden die wunderschönen detaillierten Bauten.

Der Eingang zur namensgebenden Höhle. Darin befinden sich Schreine für die Opfergaben, sowie Plätze zur Meditation.

Ubud bietet mit seiner zentralen Lage und dem umgebenen Dschungel den idealen Ausgangspunkt für Wasserfallerkundungen. Von diesen gibt es zahlreiche, von denen allerdings die meisten keine Geheimtipps mehr sind und so ziemlich jeder Blog zu einer frühen Ankunftszeit rät. Nicht mit uns gejetlagten Zwei ^^. Gegen unsere Erwartung hält sich der Ansturm beim Tibumana Wasserfall mitten am Nachmittag allerdings in Grenzen. Wie ein Vorhang fällt das Wasser in die Tiefe und sammelt sich in einem Naturpool, der zum Baden einlädt.

Um die Wasserfälle in Bali zu besuchen, bezahlt man immer einen Eintrittspreis, der auch gleich die Parkgebühr beinhaltet. Meist handelt es sich dabei umgerechnet um ledigliche Franken oder Rappenbeträge. Der Eintritt für den Tibumana Wasserfall beinhaltet auch gleich den zum Pengibul, welchen wohl die meisten übersehen. Dieser zeigt uns sogleich das tolle an den Wasserfällen in Bali: Keiner gleicht dem anderen und meist sind nur schon die Wege zum Ziel wunderschön und abenteuerlich.

Letzteres bestätigt sich nämlich bei Wasserfall Nummer 2, oder besser gesagt 3: Der Terjun Kuning. Nur schon der Weg hierhin ist wunderschön aber etwas anstrengend, da eine Treppe hinunter führt. Eine Art Canyon mit Fluss schlängelt sich durch den Dschungel und auf den teils sehr rutschigen Steinen sei Vorsicht geboten.

All the way down…
… zum Wasserfall …
… und wieder hinauf.

Wir geniessen die tolle Natur komplett alleine und essen anschliessend im beim Zahlungshäuschen liegenden Restaurant mit Blick auf die umliegenden Reisfelder.

Abends werden wir kulinarisch weiter verwöhnt. In Ubud hat man die Qual der Wahl. Ein Restaurant reiht sich an das andere und nebst der einheimischen Küche haben auch längst westliche Lokale ihre Türen geöffnet. Mit Freude darf ich ausserdem verkünden: Bali ist ein Vegi-Paradies! =D Zwar bin ich sowieso der Meinung, dass der Verzicht auf Fleisch und Fisch leicht ist, doch die vielseitige Auswahl hier macht es einem noch einfacher. Im „Oops“ amüsieren wir uns zudem ab dem singenden Kellner, der jedes Lied textsicher und hemmungslos mitsingt und mal wieder kommt man leicht mit den Einheimischen ins Gespräch, die immer ein grosses Interesse daran zeigen, woher man kommt und wohin man geht (Wobei die Schweiz ständig mit Neuseeland verwechselt wird, warum auch immer ^^).

Enten auf einem Reisfeld.

Die Tage sind eher bewölkt und überraschen uns teilweise sogar mit Regen. Das zeigt mal wieder, dass man noch so nach der idealen Reisezeit recherchieren und auf Trocken- & Regenzeit achten kann, schlussendlich macht das Wetter doch was es will. Wir müssen allerdings sagen, dass das Klima hier im Juli unglaublich angenehm ist. Überraschend mild und sofern man sich nicht gerade mitten im Dschungel befindet nicht so schwül im Vergleich zum letzten Jahr im April. Unsere Theorie ist, dass es eben doch an der Regenzeit liegt, die von November bis März herrscht, wodurch der gleich darauffolgende April nach dem vielen Regen ein unglaublich tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit mit sich bringt und der Juli im Vergleich dazu eher mild bis abends sogar angenehm kühl ist.

Nichts desto trotz sehnen wir uns nach Sonnenschein, Strand und Urlaubsfeeling. Und da wir dies im Vorjahr auf den Gilis und der atemberaubenden Insel Nusa Penida gefunden haben, buchen wir ein Speedboat zur gleich nebenan liegenden Nusa Lembongan, die zwar viel kleiner, doch nicht weniger schön sein soll.

Ein letztes köstliches Abendessen also in Bali selbst, wo ich in einem Grillrestaurant, welche meist eher für eine Fleischlastige Speisekarte bekannt sind, die Qual der Wahl zwischen 12 vegetarischen Gerichten habe (für die Omnivoren hat es „nur“ 8 Variationen zur Auswahl 😉 ) und mich für das Tempe Cantok entscheide: Fermentierte Sojabohnen (Tempe) in Erdnusssauce (Sate) gegrillt und mit grünen Bohnen auf einem Palmblatt angerichtet – mmh…!

… bevor es ab ins Paradies geht.