Es wird mal wieder Zeit für einen Blogbeitrag, welcher meine liebe Cousine Ramona mitbeinhaltet. Schon oft war sie Teil meiner Reisen, denn damals im Jahr 2016 bei unserer ersten Fernreise, einem 3-wöchigen Roadtrip an der US-Westküste, scheinen wir vom selben Travelbug gebissen worden zu sein.

Seit 5 Jahren pflegen wir nun die Tradition, jedes Jahr gemeinsam zu verreisen (auch wenn es mal nur ein Campingwochenende in der Schweiz sein soll).

2012: Rimini | 2015: Karlsruhe, Marbella | 2016: Lugano, USA |2017: Maggiatal, Malta | 2018: Singapur, Australien, Java, Thailand | 2019: Prag

24. Juni, Tag 1: Die Prager Burg

Dieses Jahr fiel die Wahl auf die Tschechische Hauptstadt Prag, die man von Zürich aus in nur 1 Flugstunde erreicht. Mit frisch aus dem Bankomaten herausgelassenen Tschechischen Kronen bezahlen wir unser Busticket und fahren Richtung Stadt. Stolz auf die Meisterung der ÖV-Benutzung, wollen wir uns das Metroticket am Schalter kaufen, wo wir erfahren, dass wir in die Touristenfalle getappt sind und nicht nur ein überteuertes Ticket gekauft haben, sondern auch statt dem überteuerten Direktbus den falschen, herkömmlichen Bus gewählt haben.

So trifft es sich also gut, dass Prag eine „walkable City“ ist – also eine Stadt, die man sehr gut zu Fuss erkunden kann. Die Handgepäck-köfferchen werden also ruckzuck bei einer sogenannten Luggage storage Station deponiert, denn wir wollen die Stunden bis zur Airbnb-Wohnungsübernahme um 15 Uhr damit nutzen, einen ersten Eindruck der Stadt zu erhaschen.

Die Sonne prallt erbarmungslos auf uns herunter und scheucht uns schnell Richtung Moldau, wo wir uns auf einem der niedlichen Inselchen ein schattiges Plätzchen suchen.

Klein aber fein: Unsere Unterkunft für 3 Nächte.

Am Abend entscheiden wir uns, für den Sonnenuntergang auf den Berg Petrin hoch zu fahren, wofür man für ein Oneway-Ticket umgerechnet nur ca. CHF 1.- bezahlt. Oben überrascht uns eine wunderschöne Gartenanlage mit Rosen in allen Farben und Grössen, die sich um malerische weisse Pavillons schlängeln. Da schlägt nicht nur das Herz meiner Begleiterin, die gelernte Gärtnerin ist, gleich höher =)

Putzmunter sind wir dann plötzlich doch nicht mehr in der Stimmung uns hinzusetzen und noch fast 4 Stunden auf den Sonnenuntergang zu warten – äh ja, es ist schliesslich Sommerzeit, da bleibt es bis 21 Uhr hell ;).

So laufen wir einfach weiter, bis wir schliesslich vor der Prager Burg stehen. Eines der Highlights, das wir uns zwar für den Folgetag aufsparen wollten, doch wenn man schon mal hier ist… Wie sich herausstellt, ist dies ein glücklicher Zufall. Die Hauptstadt ist längst kein Geheimtipp mehr und so muss man besonders in der Altstadt, sowie an den Top-Sightseeing Spots mit grossen Menschenmassen rechnen. Wie wir feststellen, sind um diese Uhrzeit bereits alle Touren und Führungen in der Prager Burg beendet, wodurch wir uns nicht nur den Eintrittspreis sparen, sondern das Areal mit nur wenigen weiteren Touristen teilen.

Imposant ragen die Türme des Veitsdoms vor uns in den Abendhimmel. 99 Meter hoch ist der Hauptturm! Die Fertigstellung des gotischen Baus dauerte von 1344 – 1929! Wir stehen vor der grössten Kirche Tschechiens, in der sich 7 Glocken befinden, von denen eine davon mit 17 Tonnen sogar als grösste Glocke der Republik gilt.

Ein wunderschönes und imposantes Bauwerk, das man aufgrund seiner Grösse kaum ohne die Panorama-Funktion oder einer amüsanten in-die-Knie-gehen Position auf einem Foto festhalten kann.

Im Areal der Prager Burg befindet sich auch das berühmteste Gässchen ganz Prags. Die kleinen bunten Häuser im Goldenen Gässchen geben einem das Gefühl, in der Stadt der Zwerge gelandet zu sein. Ein absoluter Kontrast zu den sonst so imposanten Bauten des Burgareals.

Früher sollen hier Alchemisten künstlich Gold und den Stein der Weisen hergestellt haben. In Haus Nummer 22 lebte zudem einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts: Franz Kafka. Ursprünglich wurden die Häuser aber im 16. Jahrhundert für die Wachen des Kaisers gebaut. Da er davon einige hatte, wurden die Häuser aufgrund des knappen Platzes sehr klein gebaut. Den Namen selbst erhielt das Gässchen durch die später dort beheimateten Goldschmiede.

Wenn man weiter läuft, kommt man zum Dalibor Turm, wo sich ein Verliess befindet.

Am Ausgangsbereich geniessen wir die wunderbare Aussicht über die Stadt, deren rote Ziegeldächer und Türkise Kuppeln ein wunderschönes Stadtbild hergeben.

Links sieht man die Moldau und rechts befindet sich der „Berg“ Petrin.

Unser Orientierungspunkt, die Moldau, führt uns schliesslich zu einem kleinen Platz mit zahlreichen Schwänen, von wo aus man einen tollen Blick auf die immer überfüllte Karlsbrücke hat. Als eine der ältesten Steinbrücken Europas, findet auf ihr rund um die Uhr ein belebtes Treiben statt. Nur für Fussgänger zugänglich, locken beim Überqueren der Brücke zahlreiche Händler zum Kauf ihrer Souvenirs an. Musiker übertönen mit ihren Songs das Knipsen der zahlreichen gezückten Fotoapparate und immer wieder gilt es, den ausgefahrenen Selfiesticks auszuweichen.

Die Stadt scheint zu den immer später werdenden Stunden erst so richtig in Fahrt zu kommen. Wir hingegen freuen uns auf unser Bett, denn für das morgige Programm gilt es ausgeschlafen zu sein… 🙂

25. Juni, Tag 2: Ein ewig haltendes Andenken

Gleich um die Ecke von unserer Airbnb-Wohnung liegt eine kleine Bäckerei mit grossem Angebot. Wir stärken uns mit einem Spinat-Ei-Avocado Bagel, den wir dringendst benötigen, denn aufgeregt sind wir schon jetzt vor unserem heutigen Vorhaben.

Ramona und ich, beide beheimatet im Kanton Bern, sind nämlich am Abend vor unserem Abflug mit dem Auto zu meinen Eltern nach Zürich gefahren, denn so früh morgens hätte es noch gar keine Zugverbindung gegeben, die uns pünktlich an den Flughafen gebracht hätte. Aufgedreht und in Ferienstimmung erzählte mir meine Cousine schliesslich von ihrem Vorhaben, sich in der Stadt, die bekannt sei für talentierte Tattoowierer, ein ebensolches stechen zu lassen. Ein Merkmal unserer, wir nennen es gerne schon seelenverwandten, Beziehung ist die gegenseitige Ansteckung mit Begeisterung. Ihr könnt euch also denken, wozu das geführt hat 😀

Das Studio selbst, Bloody Blue Tattoo, haben wir uns am Tag zuvor aufgrund der guten Rezensionen und seriös aussehenden Internetseite ausgesucht. Zu Fuss gingen wir in das näher an unserer Unterkunft liegende Studio, welches sich in einem „Spalunken“, einer etwas Zwielicht aussehenden Bar befindet. Hmm, was haben wir uns da nur wieder in den Kopf gesetzt. Die nette Tschechin nahm uns schliesslich jegliche Zweifel und vereinbarte einen Termin im 2. Studio, welches sich etwas mehr im Stadtkern befindet. Dieses machte dann nicht nur wegen der zahlreichen Pokale und Auszeichnungen für internationale Tattoopreise einen besseren Eindruck und wir sind rundum zufrieden mit dem gelungenen Ergebnis.

Die unbarmherzige Hitze führt dazu, dass wir uns dem Tramsystem vertraut machen und den Grossteil der Strecken nun meist mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen. Nur dass man beim Aussteigen meist feststellt, dass die Luft draussen dennoch angenehmer ist als im unklimatisierten Tram.

Nachdem wir nach den zahlreichen Treppenstufen den gefühlt letzten Tropfen Flüssigkeit rausgeschwitzt haben, beschwipsen wir uns im Biergarten mit einem kühlen Cider und kommen erneut in den Genuss einer wunderbaren Aussicht. Die Hügelbesteigungen in Prag sind jede Anstrengung wert!

Zwar ist Prag für sein Nachtleben bekannt, doch darum wird es in diesem Blogbeitrag nicht gehen, da wir dieses ehrlich gesagt ausgelassen haben. Ein Teil davon scheint jedoch auf den zahlreichen Booten stattzufinden, welche an der Ufer der Moldau angelegt haben und abends zum Essen und Trinken einladen. So geniessen wir hier einen Schlummertrunk, von welchem wir uns einen schnellen Schlaf erhoffen, denn im Bett im erhöhten Bereich der Mietwohnung kühlt die Luft auch nachts nicht unter 30 Grad ab.

26. Juni, Tag 3: Hitzewelle

38 Grad sind für heute angekündigt! Was das Herz in Ausblick auf einen Sprung ins kühle Nass höher schlagen lässt, entlockt einem auf einem Städtetrip eher ein erschöpftes Stöhnen. Bereits bevor die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat, sehnen wir uns nach einer Abkühlung. Die Moldau dient dazu leider nicht, eher abschreckend wirkt die braune Pfütze auf uns, weswegen wir auch die zahlreichen Pedalo-Vermietstationen meiden. Stattdessen plumpsen wir auf einen Rattansessel in der T-Anker Bar, wo man zwar wunderbar auf die Prager Dächer und die schönen Türme der Teynkirche blicken kann, es aufgrund des fehlenden Lüftchens jedoch auch im Schatten kaum allzu lange aushält.

Wir passieren den Pulverturm, der als Zugang zur Altstadt dient. Das Monument wurde früher als Schiesspulverlager benutzt und ist eine Nachbildung des abschliessenden Turms der Karlsbrücke.

Nicht unweit davon liegt die Teyn Kirche, die Kirche der Jungfrau Maria mit den beiden charakteristischen spitzen Türmen. Der Platz davor bietet genügend Platz für die vielen Touristen. Einen noch besseren Blick soll man vom gegenüberliegenden Glockenturm haben. Den Aufstieg dazu ersparen wir uns aber bei den heutigen Temperaturen.

Wir überqueren die Mánes-Brücke und erreichen den unserer Meinung nach schönsten Teil Prags. Nahe der Halbinsel Kampa geht es gemütlicher zu und her. Die Promenade entlang der Moldau lädt zum spazieren ein und die grünen Wiesen der Pärke werden zum Treffpunkt von Jung und Alt. In dieser Gegend befindet sich auch die John-Lennon-Mauer.

Was früher eine gewöhnliche Altstadt-Wand war, ist seit den 80er Jahren mit Graffiti verziert, die vor allem Liedtexte der Beatles beinhalten. Das originale Porträt John Lennons ist nur noch vage unter den neuen Schichten Farbe erkennbar. Die Wand steht für die Ideale der Jugend: Liebe und Frieden.

All you need is love – da passt mein neues Tattoo <3 =D

Die Halbinsel Kampa wird nur durch einen Bach vom Land getrennt. Die Optik des Viertels erinnert an Venedig und besonders die gut erhaltenen Wassermühlen sind sehenswert. Wir gesellen uns zu den Nachmittags-Picknickern, bevor es für eine kühle Dusche zurück in die Unterkunft geht.

Ziemlich unauthentisch, da sich die Tschechischen Spezialitäten eher auf Fleischkost beschränken, schliessen wir unsere Pragreise mit einem Abendessen beim Italiener ab.

So schnell ist unser diesjähriger Jahrestrip zu Ende, doch 4 Tage in der Tschechischen Hauptstadt reichen unserer Meinung nach gut aus, sich die Highlights in Form eines Städtetrips anzuschauen.

Sightseeing-Map

Für 1 Tag geht es nun nach Hause – eher zum Auspacken, Wäsche waschen und gleich wieder packen, denn auf meine Prag Reise folgt eine noch viel längere und vor allem exotischere Reise… bis bald also, im nächsten Blogbeitrag =)