Feiertage, ein verlängertes Wochenende und sonnige Temperaturen bis 30 Grad haben sich angekündigt. Und obwohl zu Hause die ersten Höchsttemperaturen für dieses Jahr erreicht werden, zieht es wie jedes Jahr an Auffahrt Zahlreiche in den Süden. Die Beitragsüberschriften in den Zeitungen bereiten einen schon mal auf den stundenlangen Stau Richtung Tessin und Italien vor. Während die Schlangen vor dem Gotthard alles in rot tauchen und mehr gebremst als gefahren wird, fühlen wir uns ultra clever bei der Wahl unserer Route. Weiter geht’s also zur:

Route

Kurzzusammenfassung

Thun -> Kandersteg (Autoverlad nach Goppenstein) -> Visp -> Brig -> Simplonpass -> Domodossola -> Omegna

Tagesausflug -> Verbania-Intra -> Stresa -> Orta -> Omegna

Zurück dieselbe Strecke über den Simplonpass und mit Autoverlad

Ausführlicher Bericht

In Thun hat man es leicht, tolle Motorradtouren rauszusuchen. Die Berner Alpen und wunderbaren Seen meiner neuen Heimatregion erleichtern es uns, tolle Tagesausflüge mit Domis Hypermotard zu machen. Zudem ist man im Nu im benachbarten Italien oder Frankreich.

Start also in Thun, von wo aus  wir mit dem See zu unserer Linken in Richtung Zweisimmen fahren. In Spiez zeigt sich mein Lieblingsberg, der Niesen, in voller Pracht vor uns. Anschliessend folgt die Region Kandergrund, wo sich nicht nur ein Ausflug zum Blausee und Oeschinensee lohnt, sondern auch die Durchfahrt mit Aussicht auf zahlreiche Wasserfälle eine Freude ist. In Kandersteg geht es gegen eine Gebühr von Fr. 19.- ruckzuck auf den Autoverlad und in nur wenigen Minuten erreichen wir das benachbarte Wallis.

Unsere Leidenschaften kombiniert: Reisen & Motorradfahren.
Mittagspause in Rothis Western Restaurant.

Das Wallis, mit dem sogar für die restlichen Schweizer nicht immer so leicht verstehbaren Dialekt. Doch eins kann ich euch sagen – das Klischée, wir Schweizer seien immer so verschlossen und lieber für uns, wird hier widerlegt. Zumindest mir scheint es, als seien hier immer die grössten Quasseltäntchen und unglaublich positive und aufgestellte Leute =). Die Lötschbergregion lohnt sich also nicht nur für eine Durchfahrt, sondern auch für den ein oder anderen Schwatz in einem Dorflokal. Nach Visp kommt Brig, wo es schon langsam italienischer klingt. Anschliessend geht es hoch hinauf – auf 2’005 Meter über den Simplonpass.

Zeigte sich die Landschaft zuvor noch in prächtigem Grün, wird es hier oben kahler und vor allem noch eins: Weiss! Trotz der warmen Temperaturen sammeln sich noch einige Flecken mit Schnee. Das restliche Gebiet lässt mich glauben, wir seien wieder auf den Kanaren oder einer anderen Vulkaninsel. Die Felsen, die teils mit dunkelgrünem Moos überwachsen sind, sehen aus, als wäre hier Asche vom Himmel gefallen, die sich auf den Felsen in eine giftig dreinschauende Farbe gefärbt hat.

Mit Vollgas und freier Fahrt nähern wir uns der Grenze. Wir scheinen durch eine Schlucht zu fahren und an beiden Seiten ragen die Felswände hoch in den wolkenlosen Himmel. Grün bewachsen, mit kitschigen und mächtigen Wasserfällen, fehlen eigentlich nur noch ein paar sich herumseilende Affen, um den Eindruck, man befinde sich nun plötzlich irgendwo in Asien, zu verstärken. Ein „Valle“ wie die Italiener sagen, optisch dem Valle Verzasca/Maggia im Tessin ähnlich, folgt der Strasse. Ein Fluss mit teilweise riesigen Felsen und feinen Kiessträndchen, dessen türkisfarbenes Wasser zum Baden lockt. 

Die kurze Grenzüberquerung und der anschliessende Strassenbelagwechsel machen uns bewusst: Wir sind in Italien angekommen. Über die -dossola Städte (Crevoladossola, Domodossola, Villadossola) ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel: Omegna, im Norden vom Lago d’Orta.

Omegna

Noch nie davon gehört? Ich auch nicht – zumindest bis jetzt. In diesen Ort hat uns auch nur die Unterkunftssuche verschlagen, da unweit vom bekannteren Lago Maggiore Gebiet die Preise um einiges tiefer sind. Ein Kommunikationsfehler mit der eigentlich für nur EUR 90.- gebuchten Unterkunft, zwingt uns, kurzfristig am Freitagabend das letzte Zimmer im Bed & Breakfast Vaemenia zu buchen. Für 2 Nächte zahlen wir hier nun zwar insgesamt EUR 200.-, allerdings mit Frühstück mit Seeblick und viel besserer Lage. Vielleicht musste es so kommen.

Die gebürtige Französin Sylvie empfängt uns herzlich und zeigt uns die Unterkunft mit Schlafzimmer, Bad und Küche-/Essbereich. Sofort fühlen wir uns wohl und sind froh, das Motorrad endlich stehen lassen und das Städtchen zu Fuss erkunden zu können, was bei seiner Grösse relativ schnell gemacht ist.

Die Abendstimmung wird durch eine junge Cover-Band versüsst, die die Lieder von Imagine Dragons auf der Brücke im Stadtzentrum spielt. Im Salera 16 setzen wir uns auf ein verdientes Bier  und einen leckeren Aperol Spritz und erhalten sogleich noch ein Apéroplättchen mit Einheimischen Teig-, Käse- und Fleischleckereien. Wie wir während unseres Aufenthalts noch merken werden, gehört diese grosszügige Aufmerksamkeit in den Restaurants dazu. Ohne Aufpreis und das für Getränkepreise von nur 4-6 Euro! Noch verwöhnter wird unser Gaumen durch die Pizza Vegetariana, deren Belag nebst Pomodoro & Mozzarella aus Spinat, Zucchetti, Auberginen und Karotten besteht. Probiert’s mal aus, die Kombination schmeckt unglaublich!

Während wir an unseren Gläsern nippen und die schmerzenden Beine von uns strecken, findet plötzlich eine Art kirchlicher Umzug statt. Obwohl die Ortschaft vergleichsweise klein ist, scheint hier Einiges abzugehen. Um deshalb gleich in Omegna zu bleiben: An unserem zweiten und bereits letzten Abend verschlägt es uns in die Pizzeria Cavalieri. Hätten uns nicht bereits die guten Bewertungen auf TripAdvisor hierher verschlagen, so hätte dies bestimmt der DJ, bzw. Livemusiker davor getan. Die Gnocchi 4 formaggi und die mit Spinat & Ricotta gefüllten Ravioli in Salbeibutter kreieren unsere Foodbabies und als 2 italienische Damen in der Gasse vor dem Restaurant plötzlich anfangen zu tanzen, kann ich ihnen im Zustand des Verdauens nur lächelnd zuschauen (und das wären nur Primi piatti gewesen! 😮 Dass man hier sogar noch um 11 Uhr abends Pizza ist, zeigt, dass die Uhren anders ticken. Willkommen im Ferienfeeling 🙂 ). Plötzlich geht es ruckzuck. Eine nach dem anderen verlassen sie das Restaurant, die schmale Strasse füllt sich, die Musik wird aufgedreht und plötzlich tanzt eine Gruppe von ca. 30 Leuten hüpfend und mitsingend vor dem Lokal. Die Lautstärke führt dazu, dass Domi und ich uns nur noch ansehen können, doch unsere Blicke sprechen Bände: Was zum Teufel geht denn nun hier ab :D. Bis um 23 Uhr findet ein „Riesen“fest statt. Der süsse Zitronenlikör Limoncello wird rumgereicht, die Kinder hüpfen, Hüften werden geschwungen und Arme in die Lüfte gehoben. Wauw! Kleines Omegna, du hast uns jeden Tag mit viel Lebensfreude und lauter Musik überrascht. Das muss man einfach mal erlebt haben.

Märkte

Wenn man an Italien denkt, kommen einem ja so einige Stichpunkte in den Sinn. Die (meiner Meinung nach) beste Küche der Welt mit Pizza, Pasta, Risotto und meinem Allzeitfavoriten Caprese. Niedliche Fiat Cinquecentos und Vespas, die durch die kleinen Gassen kurven. Heisse Ducatis & je nach Geschmack: Heisse Männer & Frauen in oft aufgetakelter und parfümierter Montur, dem Temperament alle Ehre machend natürlich wild gestikulierend und zu jeder Tageszeit kaffeetrinkend. Ebenfalls zu Italien gehören die Märkte. An jedem Wochentag findet mindestens einer davon irgendwo statt und lockt Woche für Woche nicht nur Einheimische, sondern vor allem Schweizer und Deutsche Touristen an.

Eine Übersicht der umliegenden Märkte. Quelle: www.touristinfo.it

Lago Maggiore & Lago d’Orta

Auf Empfehlung unserer Gastgeberin hin besuchen wir den Markt in Verbania-Intra. Zu meiner Enttäuschung bietet jedoch jeder 2. Stand Echt(?)leder Waren an und unser kleiner Einkauf soll deshalb lediglich Domis Gottenkind mit einem Ducati Modellmotorrad und dessen zuckersüsse Schwester mit 2 Sommerkleidchen erfreuen. Den Rest des Tages flanieren wir entlang der Seepromenade.

Die Strasse verläuft weiter den Lago Maggiore hinunter, wo wir einen Abstecher in die schöne Altstadt von Stresa machen und das wohl beste Eis aller Zeiten vertilgen. Während in Omegna vor allem Italienisch zu hören ist, spricht hier die Mehrheit Deutsch und Schweizerdeutsch. Die Touristenmassen fokussieren sich definitiv auf die Lago Maggiore Region.

Wir überfahren den dazwischenliegenden Hügel und begeben uns zurück zum weniger bekannten, aber nicht weniger schönen Lago d’Orta. Der gleichnamige Ort „Orta“ sei gemäss Sylvie DER touristische Platz am See. Wohlverdient, so ist der südliche Zipfel noch schöner als der Norden und wir sichten bereits einen Campingplatz, welcher uns mit unserem Zukunftsbüsli bestimmt mal hierhin zurückverschlägt :). Mit einem Minivan, VW-Bus, Bulli oder wie wir diese Fahrzeuge immer nennen „Büsli“ ist diese Route und besonders dieser Teil Italiens definitiv jedem ans Herz zu legen. Kleiner als ein herkömmlicher Camper aber mit vergleichbarem Komfort, eignet sich diese Fahrzeugkategorie ideal für die schmalen italienischen Strassen, welche auch wir dank Domis Ducati ideal befahren konnten. Kommen wir damit also zum Abschluss dieses Beitrags:

Roadtrip mit dem Motorrad – die Vor- & Nachteile

… und weshalb unsere künftigen Roadtrips wohl ein Mix aus Büsli und Motorrad werden

Vorteile

  • Die Parkplatzsuche gestaltet sich als leichter und ist meist gratis (wenn vlt. auch mit dem Risiko einer Busse)
  • Weniger Ausgaben für Sprit
  • Staus lassen sich besser umfahren
  • Das Fahrfeeling und die Wahrnehmung ist viel intensiver (Gerüche, Geräusche, die Temperaturen… einfach alles)
  • Schmale Strassen lassen sich leichter befahren
  • Wendigere Fahrweise
  • Das Gemeinschaftsgefühl unter Motorradfahrern – man kommt schnell ins Gespräch und grüsst sich beim vorbeifahren

Nachteile

  • Einschränkung was das Gepäck angeht
  • Hitze – die Klimaanlage ist der Fahrtwind
  • Das Komfortproblem je nach Motorradmodell – schmerzende Knie, Schultern und Popöchen 😉
  • Viele Stopps fürs Durstlöschen
  • Grösseres Risiko, gefährlichere Unfälle
  • Schönwetterabhängig
  • Die Montur/Kleidung muss bei Kurzausflügen auch zu Fuss rumgetragen werden – oder man riskiert einen Diebstahl und lässt alles beim Motorrad

** Alle in diesem Beitrag erwähnten Orte und Lokale, sowie Verlinkungen, beruhen auf eigenen Empfehlungen und gelten als (unbezahlte) Werbung.