Ostern. Was für die meisten nach Eiersuche und Schokohasenschlemmen klingt, ruft in mir vor allem eines hervor: Verlängertes Wochenende! Geschenkte Freitage und Ausflugszeit.

So fahren Domi und ich am Gründonnerstag los in die Ostschweiz, wo wir das Wochenende in der Ferienwohnung meiner Eltern verbringen dürfen.

Durchs Heidiland düsen wir Richtung Chur und schlängeln uns von dort aus bis in den schönen Ski- & Ferienort Lenzerheide hinauf. Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, so oft war ich schon hier. Ob als Mädchen zum Skifahren oder mittlerweile mehr noch zum ausspannen und entlangspazieren am idyllischen Heidsee.

Die kommenden Tage widmen wir uns dem Wandern, wobei wir Naturspektakel entdecken, die mein Bild auf die Graubündner Region absolut verändern werden.

Flims: Caumasee, Crestasee und die Rheinschlucht

Von der Lenzerheide aus erreicht man via Tiefencastel in ca. 45min Autofahrt das Zentrum von Flims.

Die Wanderung startet beim Waldhaus Flims und führt 25min durch den Wald, bis man schliesslich das erste Highlight erreicht: Den Caumasee.

Der dichte Wald umringt das türkisfarbene Juwel. Das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund sieht und am liebsten sofort hineinspringen möchte, was im Sommer auch zahlreiche Badegäste anlockt. Trotz seiner gewonnenen Attraktivität und dem dahergehenden täglichen Touristenansturm, ist und bleibt er für mich der schönste See der Schweiz!

Weiter geht es Richtung Conn, wo man in ca. 30min die trapezförmige Aussichtsplattform „Il Spir“ erreicht. Sie ragt direkt in die Rheinschlucht hinein und offenbart einen weiten Blick auf den Little Swiss Canyon.

Die Quelle des Rheins, der Tomasee, liegt ebenfalls im Kanton Graubünden. Das Gewässer fällt sprichwörtlich vom Himmel und schlängelt sich in 1’233 km durch 6 Länder: die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und mündet schliesslich in den Niederlanden in die Nordsee.

Die Rheinschlucht ist die wohl spektakulärste und einzigartigste Landschaft in Graubünden, wenn nicht sogar in den Alpen. Das denken wir zumindest heute noch – doch lies bis zum Schluss weiter. 😉

Blick auf die Isla Casty, die einem Bekannten meiner Eltern gehört. Die Insel erreicht man nur mit ihm via privater Gondel.

Die Wanderung zur Rheinschlucht hinunter verschieben wir nun doch auf den Sommer, wo wir mit Badezeug bepackt zurückkehren möchten. Das Wanderschild lockt uns nämlich zum Crestasee, unter vielen auch als der kleine Caumasee bekannt.

Der See wird von einem Waldkranz umrahmt, welcher ihm durch seine Spiegelung eine wunderbare grünliche Farbe verleiht. Da man den Crestasee nur zu Fuss erreicht, ist er weniger touristisch als der grössere Caumasee und somit noch ein kleiner Geheimtipp. Eine Badegebühr wird in der Hochsaison bei beiden Seen verlangt.

Quelle: Google Maps

Nach einer kleinen Bachüberquerung steigen wir bei der Station Felsbach ins Postauto, um unsere hungrigen Mägen schliesslich bei einem Beefburger und Vegie-clubsandwich im Restaurant/Hotel Bellevue zu belohnen.

Lantsch: Lai la villa und Hängebrücke Val Meltger

Quelle: Google-Maps

Die Gemeinde Lantsch liegt nur unweit vom grösseren Dorf Lenzerheide entfernt. Ein kleiner Ort mit einem Dorfstypischen „Volg“ als Einkaufsmöglichkeit, und spektakulärem Bergpanorama rundum.

Inmitten des Waldes befindet sich eine Grillstelle, die nur zu Fuss erreichbar ist. Lai la villa grenzt direkt an die Wildschutzzone, welche noch bis heute, dem 20. April, abgesperrt ist. Ein kleiner Teich liegt hier und die winzigen Fische streiten sich um die Brotkrümel, welche die zwei Mädchen vor uns hineingeworfen haben. Die Familie mit Grosseltern und Mutter machen sich nun auf die Suche nach Schokoeiern. Niedlich, der Freude der Mädchen zuzuschauen. Beinahe 1 Stunde geniessen wir die Ruhe im Wald, bevor wir unseren Weg fortsetzen zur Hängebrücke Val Meltger.

Im Gegensatz zum Vortag haben wir diesen Wanderweg, der eher einem Spaziergang gleicht, komplett für uns. Vorbei an einer Lichtung erreichen wir schliesslich das Ziel: Die Hängebrücke. Unter uns verdeckt eine dicke Schneeschicht, übersät mit Zweigen, Gräsern und Ästen den hindurchfliessenden Bach. Weiter oben sichten wir zwei Wasserfälle und das rauschen des Wassers ist unüberhörbar.

Wohin führt der weitere Verlauf des Wanderweges? Vielleicht bis zur Burg Belfort, die bestimmt zu einem weiteren Höhepunkt auf dieser Waldwanderung zählt. Doch für uns ist für heute Schluss, denn morgen wartet die längste und anstrengendste Wanderung dieses Wochenendtrips auf uns.

Thusis: Viamalaschlucht

Kennst du dieses Gefühl, wenn du vor Anstrengung schnaufst, dich innerlich immer wieder fragst, wieso du dir das antust und dir gleichzeitig vornimmst, mal endlich mehr Sport zu machen? Nur dass man diesen Vorsatz bis zum selben Abend meist wieder vergessen hat 😉

So geht es mir am Anfang der heutigen Wanderung. Doch beginnen wir von vorne.

Geografisch liegt Thusis quasi in der Mitte von Lenzerheide und Flims, wo die erste Wanderung zu den Seen und der Rheinschlucht stattgefunden hat. Ab dem Bahnhof verlaufen wir uns erst beinahe, da die Ausschilderung etwas verwirrend ist. Schliesslich folgen wir der Richtung Burg Hohenrätien. Domi wird immer stiller. Nur noch unser zunehmend angestrengter klingendes Atmen ist zu hören und innerlich hoffe ich, dass dieser steile Weg tatsächlich zu unserem Ziel führt.

Den Weg hoch zur Burg selbst hätten wir uns sparen und direkt die Abzweigung Richtung Viamala Schlucht einschlagen können. Ich bin erleichtert, als diese endlich ausgeschildert ist und schon jetzt zu unserer Rechten eine tiefe Schlucht sichtbar wird.

Die anfängliche Anstrengung wird endlich entlöhnt und so führt uns der Weg durch einen herrlichen Wald über Bäche und Felsstürze, auf teilweise sehr schmalen Wegen in schwindelerregender Höhe, sodass man sich manchmal an den extra angebrachten Ketten festhalten muss, um bloss nicht abzurutschen.

Nur ansatzweise erkennbar: Rechts geht es steil bergab.

Schwindelfrei von Vorteil ^^. Auch beim Traversina-Steg, einer Hängebrücke, oder vielmehr Hängetreppe, die 70m über dem Bachbett schwebt.

Durch die Treppenartige Konstruktion wird der Tiefblick verhindert. Die Brücke schwankt nicht und auch die seitlichen Halterungen sind so konstruiert, dass Gross und Klein die Überquerung ohne Höhenangstattacke vollbringen können.

Ab hier folgt der schönste Teil der Wanderung. Während wir uns die Schlucht als Highlight der Strecke von Thusis aus noch regelrecht verdienen mussten, offenbart sich hier ein herrlicher Blick auf den türkisblauen Hinterrhein, der die Felsen zu beeindruckenden Strukturen geformt hat.

Immer wieder wechselt man die Perspektive, indem die Wanderung Treppen hinauf und wieder hinunter führt.

Schliesslich erreichen wir das Besucherzentrum, wo die nur wenig verfügbaren Parkplätze komplett belegt sind und wir gegen den Eintrittspreis von je CHF 6.- den Besucherpfad betreten dürfen.

Bedrohlich ragen die bis zu 300m hohen Felswände empor. An einigen Stellen ist die Schlucht nur wenige Meter breit und vielerorts tropft Schmelzwasser die Steinwände hinunter.

An 3 Stellen findet man sogenannte Strudeltöpfe. Sie entstehen oft unter Gletschereis, wenn Schmelzwasser durch Gletscherspalten unter hohen Druck in die Tiefe stürzt. Zentrales Element ist Wasser, durch dessen starke Strömung sich Strudel bilden, die durch die Reibung an den Felsen solche Strudeltöpfe kreieren.

Die Besucherplattform von der gegenüberliegenden Brücke aus gesehen.
Wer nicht mehr weiterwandern mag, sollte die Fahrzeiten beachten.

Wir haben Glück. 16:03 zeigt die Uhr, nur noch 9 Minuten bis das nächste Postauto hier hält, welches dann erst in 2 Stunden wieder vorbei käme. Nach einem ganzen Nachmittag in der Viamalaschlucht und ca. 3 Stunden Wanderung, stoppen wir hier und fahren zurück nach Thusis. Von dort aus geht es vollbepackt mit wunderbaren Eindrücken und einem neuen Blick auf das schöne Graubünden in der Ostschweiz zurück nach Thun, zum heimelig gewordenen Bergpanorama des Berner Oberlands.

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