Tag 9, Mittwoch 20. März:

Ausgeschlafen sitze ich auf unserem Balkon und schaue zu, wie sich der Salzwasserpool unter uns langsam mit Meerwasser füllt. Eine angenehme salzige Brise weht mir um die Nase, eine Wohltat für meine seit 2 Wochen anhaltende Erkältung.


Gestern Abend sind wir auf Teneriffa gelandet – der Grossen – wie man die grösste der Kanarischen Insel auch nennt. Für uns von Anfang an wohl eher die Grüne, nachdem wir das Inselhopping zuvor auf den zwei trockensten und niederschlagsärmsten Inseln begonnen haben. Die Freundlichkeit der Südländer spüren wir hier von Beginn an. Der niedliche Autovermieter, dessen Lieblingswort „lovely“ zu sein scheint, und Rita, unsere neue Gastgeberin, die sich in liebenswertem Spanglish alle Mühe gibt, uns die neue Unterkunft zu zeigen.

Und was für eine Unterkunft! Im 7. Stock eines Hochhauses werden wir die nächsten 6 Nächte verbringen. Nahtlos führt die offene Küche ins Wohnzimmer und von dort direkt zu einer Art Balkon. Durch die direkte Lage am Meer hört man auch bei geschlossenen Fenstern die stürmischen Wellen unter uns – wunderbar =)

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Zur Inselerkundung müssen wir uns erst 10min die Küste hochschlängeln, wobei man bereits einen wunderbaren Ausblick auf den gegenüberliegenden schwarzen Sandstrand hat und bei guter Sicht sogar den Gipfel des Inselbergs Teide sieht.

Die Wolken sammeln sich im Nordwesten des Teides, wodurch dies die „Schlechtwetter“ Seite der Insel ist.

Heute zieht es uns jedoch noch nicht Richtung Teide, sondern ins im Norden der Insel liegende Anaga-Gebirge. Das Bergmassiv erstreckt sich über den gesamten Nordzipfel Teneriffas und zählt durch den häufig aufkommenden Nebel und Regen zur feuchtesten Region der Insel.

Aussicht vom Mirador Pico del Inglés

In den dichten Lorbeerwäldern machen wir uns auf zu einer Sinneswanderung. Was zu Beginn etwas Hippiehaft klingt und uns ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubert, stellt sich jedoch als eine absolut entspannende Abwechslung zum doch vielen Autofahren dar. Die Mittagssonne wirft ein wunderbares Schattenspiel durch die dichten moosbewachsenen Äste. Die Vögel zwitschern um die Wette und ihr heller Gesang weckt ein vertrautes Frühlingsgefühl in mir. An einigen Stellen mischt sich ein lautes Summen von Bienen oder Wespen (wir wollen es lieber nicht genauer herausfinden :P) darunter und ein süsser Blumenduft lockt auch uns zu den Märchenhaften Blütenbüschen. Hier werden definitiv alle Sinne entfacht und in der Hälfte des gemütlichen Rundwegs wartet eine wunderbare Aussicht über das Anaga-Gebirge auf uns.

Die Sinneswanderung hat sich allemal gelohnt, auch ohne Baumumarmung oder Ähnlichem :D. Auf der Weiterfahrt schlängelt sich unser Renault Clio auf der Ostseite das Gebirge hinunter und wir erhaschen immer wieder Einblicke auf die imposante grüne Gebirgskette.

Das Anaga-Gebirge – eine grüne Welt und ein komplett neues Gesicht der Kanaren.

Schliesslich erreichen wir den Strand Las Teresitas. 1.5km lang erstreckt sich hier puderweicher Sand. Ein Ort so schön, dass man ihn am besten als „Wo Karibik auf Sahara trifft“ bezeichnen könnte. Da auf der Insel aufgrund der vulkanischen Natur besonders schwarze Strände vertreten sind, ist der Las Teresitas ein umso besonderes Schmuckstück.

Weniger überfüllt als erwartet – ist das der Nebensaison zu verdanken?
Die Aussicht geniessen vom Mirador Las Teresitas. – Ducati forever 😛

Den Rest des Tages verbringen wir hier, geniessen das Ferienfeeling bei einem Mojito und sind dankbar, einen verfrühten Sommer erleben zu dürfen.

Tag 10, Donnerstag 21. März:

Die Nordküste ist etwas stürmisch für unser heutiges Vorhaben, einige der zahlreichen Naturpools, die sich durch die erkalteten schwarzen Lavasteine gebildet haben, zu erkunden.

Beim Charco de la Laja wagen wir uns bis zum „Beckenrand“ und bestaunen die weisse Gischt, die sich schaumig in den stürmischen Fluten bildet. Nein, baden ist hier heute definitiv nicht angesagt. Eine kleine Abkühlung erhalten wir trotzdem, als plötzlich eine riesige Welle an die Felsen prescht und wir eine kalte Wasserdusche abbekommen ^^.

Lachend suchen wir das Weite und fahren zum nur 10min entfernten Charco del Viento. Der schmale Weg führt an riesigen Bananenplantagen vorbei. Grüne Stauden der leckeren Frucht hängen von den palmenähnlichen Pflanzen und wir nehmen uns vor, beim nächsten Einkauf einige lokale Früchte in den Einkaufskorb zu packen.

Bananenplantagen soweit das Auge reicht.

Auf dem Weg hinunter huschen einige grosse Echsenexemplare in die Büsche. Wir diskutieren, welche Naturpools uns denn nun besser gefallen und werden uns nicht einig. Meine Wahl fällt auf den Charco del Viento, neben dem sich auch noch ein winziger grauer Strand befindet, wo sich an diesem bewölkten Tag tatsächlich ein paar nicht ganz so „Gfrörlige“ ins. Wasser wagen. Dominique hingegen war von den mächtigeren Wellen am ersten Stopp absolut fasziniert.

Unsere knurrenden Mägen führen uns in den Ort Garachico, wo wir uns auf der Offline-Karte das gut bewertete Restaurant Casa Gaspar ausgesucht haben. Obwohl es sich dabei um ein auf Fisch spezialisiertes Restaurant handelt, finde ich ein köstliches Vegi-Gericht: Kartoffel- Auberginen- und Zucchettischeiben an einer köstlichen orangenen Tomatensauce, während Domi sich erneut von einem Fisch überraschen lässt.

Die Zeit vergeht plötzlich wie im Flug und ehe die Sonne auch schon untergeht, spielt Domi neben mir Luftgitarre zu Guns N‘ Roses‘ November Rain, während wir „nach Hause“ fahren.

Tag 11, Freitag 22. März:

Der Teide – Mittelpunkt der Insel. Dem Nationalpark während eines Aufenthalts auf Teneriffa keinen Besuch abzustatten wäre wohl eine Sünde. So zieht es auch uns vom Norden her hoch zum derzeit schlummernden Inselvulkan, der mit 3’718m gleichzeitig der höchste Berg Spaniens ist.

Strassenbegegnungen auf Teneriffa =D

Die steile Fahrt hinauf beginnt neblig und erinnert mich dann eher an den Bryce Canyon Nationalpark oder den Norden der USA. Nadelbäume stechen in den blauen Himmel und darunter liegt ein Bett aus weissen Wolken.

Je mehr wir uns dem Vulkan nähern, desto karger wird die Landschaft. Erneut fühlen wir uns wie auf einem anderen Planeten – die Magie der Vulkanlandschaften, die mich immer wieder faszinieren =)

Die Minas de San José.

Die wohl beste Aussicht auf den Teide findet man bei den Roques de Garcia, wo der sogenannte „Finger Gottes“ emporragt.

Die Sonne heizt uns mächtig auf, besonders, da wir auf Ratschläge hin alle warmen Klamotten eingepackt haben. Windstiller ist es hier in der Höhe jedoch und sogar wärmer als in den tieferliegenden Orten der Insel. Mit offenem Fenster kühlt unser Mietauto jedoch schnell ab und unweit entfernt von diesem Aussichtspunkt entdecken wir den Campingplatz „Las Lajas“, wo wir bereits zum zweiten Mal in diesem Nationalpark einfach nur die absolute Ruhe geniessen um anschliessend von einem Campingausflug in der Schweiz träumen. Denn solche Auszeiten und das Dasein in der Natur zu geniessen möchten wir definitiv mit nach Hause nehmen.

Über Vilaflor verlassen wir schliesslich den Teide Nationalpark und kurven eine so tolle Strasse hinunter, dass Domi die Strecke gleich für unser nächstes Tagesprogramm abspeichert – mehr dazu später =). Im derzeit eher ausgestorbenen Touriort El Médano kriegen wir mal wieder Lust aufs Surfen. Doch so richtig gepackt hat es uns dann doch nie, dass wir hier die Wind und Wasserkräfte herausfordern wollten. Eher stillen wir wiedermal unsere visuellen Reize am schönen Strand La Tejita, der wie so ziemlich alle Strände auf den Kanaren unglaublich sauber ist und neben dem der nach seiner Farbe benannte Montana Roja liegt. Ein echtes Postkartenmotiv.

Der Montana Roja am Playa de la Tejita.

Über die Autobahn passieren wir die Gülmar Pyramiden und legen uns schliesslich zeitig ins Bett, da wir morgen früh rausmüssen.

Tag 12, Samstag 23. März:

Oder eher rauswollen =D, denn heute wird Domis Drang nach einer Motorradtour gestillt. Pünktlich um 9 Uhr erscheinen wir im Büro von White Stars Moto Rent in Puerto de la Cruz. Den Vertrag für unsere 1-tägige selbständige Tour haben wir bereits am Vortag aufgesetzt und auch die bereits anprobierte Schutzkleidung ist schnell montiert. So bleibt uns ausreichend Zeit, die Insel nun auf 2 Rädern unsicher zu machen.

Und die brauchen wir definitiv für die geplante Route, nach der uns – so viel sei vorab gespoilert – die Pobacken schmerzen und meine untrainierten Arme einen komischen Muskelkater kriegen (hey es heisst ja Motorradsport, da zählt das hinten drauf hocken auch dazu ;))

Wir folgen der Nordküste mit Blick auf die rauhen schwarzen Sandstrände und grünen Gebirgswände, passieren zahlreiche niedliche Ortschaften und fahren durch einen Tunnel, der uns an eine Raupe erinnert, bis wir schliesslich den Nordwestlichsten Ort Buenavista del Norte erreichen.

Ab hier wird es kühl, denn wir befahren das Masca Gebirge, bei welchem sich im Norden die Wolken sammeln und es somit zu einer mystischen nebligen Gegend wird.

Ganz anders sieht es auf der Südseite aus. Der kitschig blaue Himmel zeichnet sich hinter der überwältigenden Schlucht ab und die zuvor noch grauen Wolken greifen hier wie eine weisse Geisterhand über die saftig grünen Hügel.

Der kleine Ort Masca ist für mich wie eine Perle mitten im Gebirge. Ganz anders als die Touristenmetropolen, die wir später noch zu Gesicht kriegen. Der erste überbevölkerte Ort davon ist Los Gigantes, vor dem die gleichnamigen basaltischen Klippen bis zu 600m in die Höhe ragen und ihrem Namen somit alle Ehre machen.

Domi in seinem Element =).

Wobei wir beide zugeben müssen, dass dieser Ort einen gewissen Reiz auf uns ausübt, trotz lauter Partymusik, die bereits um die Mittagszeit zu uns rüberweht und Souvenirshop an Souvenirshop. Nach einer Sandwichstärkung führt unser Weg zum zweiten Mal in den Teide Nationalpark. Dieses Mal über den viel angenehmeren Weg aus dem Westen her.

Nach einem erneuten Stopp beim tollen Campingplatz, wo von der gestrigen Ruhe nichts mehr zu spüren ist und wohl zahlreiche Familien das Wochenende bei einem Grillfest geniessen, fahren wir nochmals die Töff-Traumstrecke nach Vilaflor hinunter, die sich so toll für Motorradfahrer eignet, dass man sie doch gleich für die etwas mühsamen Auto- und Fahrradfahrer sperren sollte. Letztere scheinen die Kanarischen Inseln definitiv für sich entdeckt zu haben und schon mehrmals sind wir einer Gruppe begegnet, die eine komplette Fahrspur beanspruchen und gefährliche Überholmanöver provozieren. Vorsicht und Rücksichtsnahme sei geboten, egal mit welchem Verkehrsmittel.

Wunderbar frisch geteerte Strassen im Teide Nationalpark.

Bisher klappte das Navigieren per Karte super, doch hier im sonnigen Süden tummeln sich die riesigen Ferienanlagen, die in der Hochsaison wohl von Pauschalurlaubern gestürmt werden und die vielen Gebäude und verzwickten Strassen machen die Orientierung mühsam. Schnell macht das Fahren keinen Spass mehr und wir sind froh, als wir schliesslich nach 264km im Sattel nur noch mit dem Auto zurück in unser kleines abgelegenes Örtchen unten in der Bucht fahren können.

Tag 13, Sonntag 24. März:

Den heutigen Tag wollte ich eigentlich mit einem einzigen Bild beschreiben, doch nicht mal dieses habe ich zu Stande gebracht, denn wir haben den letzten Tag auf Teneriffa einfach nur am wunderschönen Las Teresitas Strand ausklingen lassen =)

Tag 14 + 15, Montag + Dienstag, 25. +. 26. März:

Für die letzte Nacht zu zweit und noch 1 Nacht für mich allein geht es zurück zum Anfang: Nach Fuerteventura. Ein kleiner flugbedingter Umweg, denn für Domi geht es heute, am 26. März nach Hause, während auf mich noch 1 Woche mit meinen Eltern wartet. Diese treffe ich morgen in Gran Canaria =). Bereits in London sind sie spontan meinen Reiseplänen gefolgt und auch jetzt freue ich mich auf die gemeinsame Zeit mit ihnen.

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Die Unterkunft für die letzten 2 Nächte auf Fuerteventura – 10min vom Flughafen entfernt.

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