Tag 1, Dienstag 12. März:

5:00 Uhr – der Wecker klingelt, die Nervösität beginnt. Wie kann das sein, nach so vielen Reisen und einer ganzen Weltreise werde ich vor einem 3-wöchigen Europatrip wieder nervös?! In meinem Kopf spielen sich schon jenste Szenarien ab. Doch vor allem befürchte ich, dass wir den Flug verpassen. 2h bis nach Basel, dann noch in den Bus, Gepäckabgabe, Kontrolle – zum ersten Mal mit Drohne, uff – und um 8:40 schliesst das Gate 😮 das reicht doch nie! Mir fällt eine Geschichte ein, die ich zum gefühlt 10-ten Mal meinem Freund erzähle: Man sitzt in einem Taxi auf dem Weg zum Flughafen. Die Zeit ist knapp, die Anspannung gross und die Laune entsprechend gereizt. Doch von der schlechten Stimmung löst sich der Verkehr nicht in Luft auf und die negativen Gedanken bringen einen auch nicht schneller an den Flughafen. Was nützt es also, sich deswegen selbst fertig zu machen? Wie wahr, und doch ist es schwer, diese Sorgen per Knopfdruck auszuschalten ^^’

Sommer im März<3

Ihr könnt es euch denken: Meine Befürchtungen waren umsonst und ohne Stress steigen wir pünktlich ins Flugzeug und heben ab Richtung: Fuerteventura.

Insel Nr. 1 auf meinem 3-wöchigen Inselhopping Trip. „Wir“ dazu zählt mein Liebling Domi, den ich für 2 Wochen als meine Reisebegleitung zählen darf<3

Spätestens nachdem wir die Mietautoübernahme hinter uns gebracht haben und mit dem roten Toyota Aygo durch die trockene Landschaft Fuerteventuras düsen, ist es da, dieses Kribbeln, wohl am nächsten vergleichbar mit dem Gefühl, frisch verliebt zu sein :D. Die Abenteuerlust, Vorfreude auf das Entdecken neuer Orte. Das Ausbrechen vom Alltag, die Freiheit geniessen. Der Reiserausch, der unseren Augen das Dauerglänzen verleiht =).

✓ Flipflops montieren

✓ Unterkunftsbezug

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Die Unterkunft liegt im Süden der Insel, im ca. 1 Fahrstunde vom Flughafen entfernten Ort Costa Calma. Im unteren Stock der Villa gehört quasi ein Appartmentteil uns. Mit eigenem Schlafzimmer, Badezimmer, sowie Wohnzimmer mit Küche. Das Haus macht seiner Bezeichnung als Surferhouse alle Ehre und lockt mit tollen Surfbrettdekorationen und Muschelverzierungen. Besonders der Aussenbereich mit Tikibar, toller Lounge und sogar einem Pool laden zum Verweilen ein – wäre da nicht der starke Dauerwind ^^

Letzterer macht die Insel zum Paradies für Wind- & Kitesurfer, wie wir sogleich an unserem ersten Strandbesuch bemerken. Der naheliegende Sotaventa Beach, wohlverdientes Motiv für Postkarten der Region, ist unser Ziel für den ersten Tag. Kaum zu fassen, dass das Meer bei Flut bis knapp vor den Parkplatz reicht. Heute Nachmittag lässt sich im Ebbe-Zustand ein ausgiebiger Spaziergang entlang der Dünen und Mangrovenähnlichen Büschen machen. Wir netzen unsere Zehen in den Lagunen-ähnlichen Meereszungen an, während wir den Wassersportlern beim Tanzen auf den Wellen zuschauen. Gleichzeitig nerve ich Domi wohl schon am ersten Tag mit meinen ständig wiederholenden Wauws 😛 aber so langsam ist er das ja gewohnt ;). Die Wauws verdient der Sandstrand auch einfach! Wunderschön in wohl jedem Zustand.

Mini Lagunen und eine Mini-Wüstenlandschaft.
Happy mit Sand zwischen den Zehen =)
Vergleich: Das Postkartenmotiv.

♫ Song des Tages: Baker Street – Gerry Rafferty 

Auf dem Parkplatz vor der Unterkunft mussten wir einfach noch so lange mit dem Aussteigen warten, bis der Song zu Ende war =)

Tag 2, Mittwoch 13. März:

Bei so einem Inselhopping mag ich ja den Mix aus Planung und Spontanität. Planung in Form einer Sightseeing-Map der schönsten Orte, die ich mir vorab via Blogs und Reiseführer zusammentrage. Spontanität durch das freie gestalten, an welchen Tag man was machen möchte und dem einfach drauflosfahren dank der Flexibilität des Mietwagens. Viele der vorab recherchierten Spots befinden sich im Norden der Insel und so haben wir uns für heute die ca. 2-stündige Fahrt in den oberen Zipfel der Insel vorgenommen.

Wir fahren vorbei am Montana Roja, der sich wie zahlreiche weitere Vulkanhügel aus der trockenen Landschaft hervorhebt. Plötzlich weicht die harte Steinlandschaft einer weichen Sandwüste. Neben uns liegen die Dünen von Corralejo, wo wir uns ein kurzes Frühstückspicknick genehmigen.

Während wir rechts einen Blick auf die kleine Nebeninsel Isla de Lobos erhaschen, begleiten uns zu unserer Linken erneut kraterhafte Vulkanberge. Ziel: El Cotillo. Ein Fischerdorf im Nordwesten Fuerteventuras. Der Surfervibe der Kanaren wird auch im niedlichen Restaurant „Funky Kitchen“ aufgenommen und wir geniessen eine Fahrpause zwischen Fischernetzen und Surfbrettern.

Anschliessend geht es zum wohl Highlight des heutigen Tages (zumindest denke ich das bis zu diesem Zeitpunkt – das wäre der geplante Teil 🙂 ): Schwimmen im Playa de los Lagos. Klares türkisblaues Wasser plätschert in ruhigen Lagunen vor sich hin, die von schwarzen Lavasteinen umrandet werden. Ein Hauch Hawaii in Europa. Genau das, was ich mir heimlich von diesem Inselhopping erhofft habe 😉 das absolute Fernzielfernweh im Heimatkontinent zu stillen. Zwar sträuben wir uns zuerst etwas vor dem Baden, da der Wind die Aussentemperatur gerade angenehm gestaltet, doch wenn man erstmal im Wasser drin ist, möchte man gar nicht mehr raus =)

Trotzdem führt unser Weg irgendwann wieder zurück. Doch weshalb eigentlich auf dem genau gleichen Weg? Domi hat die tolle Idee, anstelle der Haupstrasse im Osten, einen Umweg über den Westen zu fahren. So führt uns die Strecke über den Ort La Oliva nach Tefia und schliesslich in den auf der Offlinekarte entdeckten Nationalpark Parque Rural de Betancuria, wo wir auf einmal ein Dromedar neben zwei Eseln grasend sichten. Die Kanaren liegen direkt westlich von Afrika und ein Hauch der dort beheimateten Flora und Fauna scheint man hier wieder zu finden. Wir glotzen – das Dromedar glotzt, wir grinsen – es frisst.

Schnurrend düst der Toyota die kurvigen Strassen hinauf und mit jedem gewinnenden Höhenmeter steigt auch der Schönheitsgrad der Aussicht. Die Landschaft ist atemberaubend, was man von so vielen Steinen und Brauntönen gar nicht erwarten würde 😀

Domi vermisst sein Motorrad, und mir bleibt nur schon im Auto bei jeder Kurve fast das Herz stehen, wenn ich den Abgrund neben mir erblicke.

Beim Aussichtspunkt Mirador las Penitas erreicht das Schönheitsgrad-Barometer seinen Höhepunkt. Einzig die Eichhörnchenähnlichen Nagetiere können unsere Blicke von der vor uns liegenden Landschaft ablenken. Die viel zu zutraulichen Nager (wurden wohl leider trotz Verbotsschilder gefüttert :/) wuseln um unsere Beine herum.

Zurück in der Unterkunft lassen wir den ereignisreichen Tag bei einem leckeren Barbeque ausklingen.

Beachvibes in unserer Unterkunft.

♫ Song des Tages: Give me one reason – Tracy Chapman

Waaas, dieser Song läuft immer noch im Radio? Das weckt sofort Gili Air Erinnerungen, wo mir Domi den Songtext zu einer Art Ständchen über meine Baby-Chrüseli (verwuschelte Häärchen auf dem Kopf) kreiert hat^^

Tag 3, Donnerstag 14. März: 

Ausschlafen. Auch das gehört zu den Ferien. Nicht nur um sich vom Alltag zu Hause zu erholen – wobei ich die Bezeichnung sehr bedenklich finde, dass man sich vom Grossteil seiner Lebenszeit eine „Auszeit“ nehmen muss – sondern auch, um all die neu gesammelten Eindrücke zu verarbeiten. Das Zeitgefühl habe ich durch die vielen Erlebnisse jetzt schon komplett verloren. Dabei ist erst Tag 3 angebrochen ^^. Und dieser hat wieder einiges mit uns vor, was wir beim Frühstückstisch allerdings noch nicht ahnen. Spontan entscheiden wir uns, weiter in den Süden nach Morre Jable zu fahren, wo wir uns einen Quad mieten möchten. Trotz Nebensaison ist dieser absolute Touri-ort sehr überfüllt und wir parkieren wie alle anderen halb auf dem Gehweg (Spoiler: Einen Strafzettel gab es nicht 🙂 ). Glücklicherweise ergattern wir um 1 Uhr nachmittags noch einen Quad, welche normalerweise mind. 1 Tag im voraus reserviert werden sollten.

Die Mietfirma: Fuerte Quads. Unser Modell war der rote. 6h für EUR 70 + EUR 10 Benzin.

Der Vermieter versichert sich etwa 3 mal, ob Domi wirklich schon mal Quad gefahren ist. In Kroatien haben wir das ja bereits geübt. Schnell erreichen wir den gut ausgeschilderten Nationalpark. Grundsätzlich gibt es 2 Wege, die man hier machen kann und dank sichtbarer Strasse und Beschilderungen ist ein Verfahren so gut wie unmöglich.

Unser Ziel ist Cofete mit dem Kilometer langen Sandstrand. Wir driften entlang der kurvigen Offroadstrecken den Berg hinauf. Immer wieder begegnen uns Autos, die wohl kaum zur Kategorie 4×4 gehören. Grundsätzlich möglich, von den Autovermietern wird einem natürlich abgeraten und jegliche Haftung abgelehnt, und spätestens vom Aussichtspunkt abwärts zum Strand wirds echt brenzlig. Da bin ich froh um den wendigen Quad. Auf dessen Rücksitz versuche ich nicht in den Abgrund zu unserer Seite zu blicken, sondern sauge die überwältigende Landschaft vor uns in mich auf.

Zigi-Pause with a view.
Die wohl schönste Aussicht der Insel: Cofete Beach.

Je mehr wir uns dem Strand nähern, desto mächtiger ragen die Gebirgszüge in den Himmel. Diese Landschaft! Dieser Strand! Weicher Sand und so sauber, wie ich selten einen Strand gesehen habe! Ich wage einen kurzen Drohnenrundflug, möchte aber auch die wenigen anderen Gäste nicht stören. Nur 10min in der Luft, da merkwürdigerweise der eigentlich voll geladene Akku fast down ist, passiert mir wieder mein Fokus-Malheur ^^’. So sind die ersten Wahnsinnsaufnahmen leider verschwommen – upps. Also die Landschaft einfach live noch mehr aufsaugen =)

Der Rückweg gestaltet sich als noch furchteinflössender. Obwohl man im ganzen Park nur max. 40 km/h fahren darf (schneller ist wohl auch nicht möglich bei den Strassen und Kurven), fühlen sich unsere mickrigen 15 km/h unglaublich schnell an. Logisch, denn hinauf liegt der Abgrund nun direkt neben uns und in jeder Kurve sehe ich uns schon den Berg runterpurzeln. Und plötzlich ein metallenes Geräusch. Domi fasst in die Luft – der linke Bremshebel ist abgefallen! Grinsen, nervöses Lachen und fluchen gleichzeitig. Wir blicken uns an, wie damals bei unserem ersten Date, wo wir 5h den Rhein hinuntergeböötelt sind und am Ausstiegspunkt in durchnässten Badesachen bemerkt haben, dass Domis Autoschlüssel in meinem Auto am Einstiegsort liegt ^^’. Jaa solche Spezialisten sind wir manchmal ^^’. Nun ja was macht man da? Frau lässt sich vom Monsieur beruhigen, die andere Bremse sei sowieso die bessere und schwupps cruisen wir zurück zur Kreuzung, wo wir nun den Weg für die zweite Route einschlagen.

Auf der Fahrt begegnen uns zahlreiche Ziegen, die seelenruhig über die Hügel spazieren. Beim Leuchtturm angekommen genehmigen wir uns einen leckeren Sangria, bevor wir uns schliesslich auf den Rückweg nach Morre Jable machen.

Felsig wird plötzlich sandig – typisch für Fuerteventuras Landschaft.

Für unseren vorerst letzten Abend auf Fuerteventura gönnen wir uns ein Abendessen im Terraza del Gato mit anschliessendem Schlummertrunk in der Surferbar Bside. Und nun? Vorfreude auf Insel Numero dos: Lanzarote, wir kommen.

♫ Song des Tages: Heaven is a place on earth – Belinda Carlisle

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