Kennst du dieses „Oh ja, das müssen wir unbedingt mal machen“, wenn du mit Freunden auf eine tolle Idee kommst? Oder vielleicht auch, wenn du dir selbst etwas vornimmst, das du dieses Jahr unbedingt erleben möchtest? Nur das es in den meisten Fällen leider doch nicht dazu kommt. Mit Martina, meiner quasi Weltreise-Bekanntschaft vom Monat in Java und Thailand, und mir ging es genauso. Eigentlich hatten wir vor, uns gemeinsam im Sommer nach unserer Rückkehr das berühmte Matterhorn anzuschauen. Der geplante Ausflug fand nun erst im Winter und im neuen Jahr statt – lieber spät als nie 😀

Nach ca. 2 Stunden Fahrt mit der Bahn erreichen wir das autofreie Zermatt. Trotz warmer Kleidung, zittern wir im zur frühen Morgenstunde noch schattigen Dorf. Von der Talstation Sunnegga fahren wir zur Station Blauherd. Wir scheinen die einzigen Wanderer zu sein und begegnen zahlreichen Ski & Snowboardern, die an diesem Mittwoch kaum befahrene Pisten erwarten.

Eiszapfen – als Kind habe ich die immer abgebrochen und wie Eiscreme daran geleckt.

Nach einigen Minuten des verwirrenden Umsehens, finden wir schliesslich den Wanderweg Blauherd – Fluhalp. Der 2.2km lange Weg ist der perfekte Weg, um so richtig Sonne zu tanken. Hier auf 2’600m Höhe ist es tatsächlich wärmer als noch vor wenigen Minuten in der Talstation. Keine einzige Wolke bedeckt den Himmel. Lediglich der weisse Schnee, der in der Sonne glitzert, macht dem kitschigen blauen Himmel Konkurrenz.

Unser permanenter Begleiter: Das Matterhorn. Der für die Schweiz berühmte Gipfel. Ein Stück Afrika. Äh was? Afrika? Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Ein kleiner Streber-Exkurs aus meinem Studiumsvorkurs :D. Bis vor 100 Millionen Jahren driften die Kontinentalplatten Eurasiens und Afrikas auseinander. Darin entstand ein Ozean, Tethys, wo sich auch die heutige Schweiz befindet. Kaum vorstellbar, aber die Schweiz war mal ein Meer. Vor 100 Millionen Jahren dann, kehrte sich die Richtung und Afrika steuerte gegen Europa zu. Die ozeanische Kruste taucht quasi unter den Afrikanischen Kontinent. Es entsteht eine Knautschzone, die grossräumig Teile faltet. Vor 40 Millionen Jahren kommt es schliesslich zur Kollision der Kontinente, wodurch die Kruste an dieser Stelle dicker wird. Während dieses Gebirgsbaus blieb die leichtere Scholle darunter stecken und wird nun nach oben gedrückt. Dadurch hebt sich das gesamte Gebirge und wird durch Wasser und Gletschereis abgetragen. Das Matterhorn in seiner heutigen Form ist Ergebnis Millionen von jahrelanger Erosionsprozesse. Die Grenze der ehemaligen Platten verläuft genau durch das Matterhorn hindurch, weswegen ein Teil des Matterhorns afrikanischen Ursprungs ist.

Wir geniessen die Geräusche des Schnees unter unseren Füssen, und die frische Bergluft, während wir gemütlich zur Hütte bei Fluhalp wandern. Wie damals zu Kindheitstagen, wo man sich bei Schulausflügen auf die von Mami gemachten Sandwiches freute, erfreuen wir uns heute an den selbst mitgebrachten Brötchen und einem leckeren Nudelsalat. Diese Budgetvariante schmeckt unglaublich gut und ist uns durchaus lieber, als ein kleines Vermögen in den teuren Bergrestaurants liegen zu lassen.

Zurück bei der Station Blauherd haben wir noch nicht genug und entscheiden uns kurzerhand, den Weg ins Tal zu Fuss zurückzulegen. Was für eine gute Entscheidung! Auf dem etwas steilen Winterwanderweg müssen wir aufpassen, dass wir trotz gutem Schuhwerk nicht ausrutschen. Wir laufen vorbei an niedlichen Holzhütten und fragen uns, ob und wann die wohl noch benutzt werden. In einem etwas abgelegeneren Teil mitten im Wald hören wir plötzlich weitere Schritte. Ein Blick nach oben und unsere Gesellschaft ist enttarnt: Eine süsse Gemse blickt genauso überrascht auf uns herunter, wie wir wohl zu ihr hinauf.

Auf dem Rest des Pfads ernennen wir uns zu Spurenlesern und halten Ausschau nach weiteren Tieren. Die meisten davon befinden sich wohl im Winterschlaf und so bleibt dies unsere einzige Begegnung.

Zermatt ist viel grösser, als wir es erwartet haben und ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Exkursionen und Wintersportgebiete. Dieser Wandertag war nur der erste, beschliessen wir und zu Hause werden sofort die Terminkalender aufgeschlagen, um dieses mal sofort einen Fixtermin für den nächsten Ausflug zu finden. Denn als nächstes wollen wir diese wunderschöne Region der Schweiz im Sommer erkunden. Die 5-Seen Wanderung wird es sein, oder vielleicht auch eine Mutprobe, die Überquerung der längsten Hängebrücke der Welt?

Wir werden’s sehen =). Erstmal lassen wir den vielen Schnee schmelzen und sagen: Bis bald, Zermatt und bis bald, Matterhorn.

Ein Matterhörnchen aus Schokolade & die Toblerone-Aussicht.