Weihnachten steht vor der Tür. Das Fest der Liebe… und des Konsums. Perfekter Zeitpunkt also für einige Gedanken zum Thema Konsum und Minimalismus.

Stell dir vor, du müsstest dein ganzes Hab und Gut auf den Inhalt einer Badewanne reduzieren. Unvorstellbar? Aber sogar dann wäre es noch mehr, als ich im letzten halben Jahr mit mir herumgetragen habe. Mit 60l Rucksackinhalt bin ich um die Welt gereist. Was nach sehr wenig klingt hat jedoch völlig gereicht. Mit wenig Dingen habe ich mir meinen grossen Traum verwirklicht und die bisher schönste Zeit meines Lebens gehabt.

Darum soll es in diesem Beitrag gehen: Minimalismus und der Wert nicht materieller Dinge. Ein grosser Punkt, in dem mich meine Weltreise geprägt hat.

Meine Reiseentwicklung

Wenn ich zurückdenke, so bedeutete Urlaub immer, den Koffer zu packen. Es wurde nicht unbedingt pragmatisch gepackt, sondern die Lieblingsteile und eine möglichst grosse Auswahl mussten mit. Auf Shoppingtripps war es zudem wichtig, genügend Platz zu lassen, um die neuen Errungenschaften auch ja mit nach Hause nehmen zu können.

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Mit meinem Praktikumslohn damals sprengten diese Shoppinganfälle das Budget gewaltig. Wozu? Wenn ich an einzelne Reisen zurückdenke, denke ich an den Handorgelspieler im Zug, der unsere Fahrt in die Pariser Innenstadt versüsste. Ans Fahrradfahren entlang der Strandpromenade von Valencia, oder meine erste Begegnung mit wilden Delfinen beim Kajakfahren in Lissabon. Es sind Momente, Erlebnisse und Begegnungen, die mir besonders in Erinnerung blieben. Wenn ich hingegen meinen Kleiderschrank öffne, so liegen darin kaum noch die Errungenschaften der damaligen Shoppingeklate.

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PacklisteMit der Planung meiner Weltreise wurde mir anfangs dieses Jahres erstmals bewusst, was es bedeutet, die materiellen Dinge auf das wichtigste zu reduzieren. 5 Monate lang lebte ich aus dem Rucksack und erkundete die Welt. Glaubt mir, da möchte man keine 20 Kilogramm auf dem Rücken tragen. 😀 Man setzt sich bewusst damit auseinander, was man wirklich braucht und der Rest bleibt zu Hause.

Und damit sind wir beim Grundgedanken des Minimalismus

Die Bedeutung und der Sinn von Minimalismus

Minimalismus bedeutet nicht, in seinem Zimmer auf einer Matratze vor einer kahlen Wand zu sitzen. Vielmehr strebt eine minimalistische Lebensweise danach, sich mit Dingen zu umgeben, die man wirklich liebt und braucht.

Wer kennt es nicht: Entrümpeln in den eigenen 4 Wänden führt zu einer Leichtigkeit. Ein Befreien von Dingen, die wir nicht benötigen, um ein einfacheres, glücklicheres Leben zu führen. Doch Entrümpeln bedeutet auch, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die mit Emotionen und Erinnerungen verbunden sind, welche man vielleicht gerne vor sich her schiebt. Wir scheuen uns deshalb oftmals vor dem Ausmisten. Doch das Loslassen von Dingen trainiert auch das Loslassen von Sehnsüchten oder Menschen. Es macht uns friedlicher, zufriedener und freier. Man trainiert, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und herauszufinden, was überhaupt das Wesentliche ist.

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Schlussendlich ist alles miteinander verknüpft. Weniger Dinge führen zu weniger Konsum. Weniger Konsum bedeutet weniger finanzielle Ausgaben. Durch eine Minderung der finanziellen Ausgaben ist weniger Arbeit nötig, um sein Leben finanzieren zu können. Weniger Arbeit bedeutet mehr Zeit. Diese Zeit kann genutzt werden, um den für sich persönlich wichtigen Dingen nachzugehen. Man wird reich durch weniger Konsum und mehr Zeit. Zeit, die man in Hobbys, Projekte oder Familie und Freunde investieren kann. Ich denke, so sollten wir einen hohen Lebensstandard definieren.

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„Collect moments, not things“ fasst den Grundgedanken hinter der minimalistischen Bewegung perfekt zusammen. Minimalismus zielt darauf ab, die Prioritätensetzung nicht auf materielle und oberflächliche Werte zu setzen, sondern auf Erlebnisse und Momente. Da die Definition von Glück jedoch individuell und sehr unterschiedlich ist, wird das auch von Person zu Person anders festgelegt. Der eine mag sein Glück im Bereisen der Welt finden, während jemand anderes seine grösste Freude im Heimatland mit festem Wohnsitz findet. Doch der Grundgedanke bleibt derselbe: Konzentriere dich auf die Dinge, die dir wirklich wichtig sind und lasse das Unnötige weg.

Bewusster Konsum

Ein gesundes Bewusstsein hinter dem grossen Ganzen ist mir persönlich enorm wichtig. Sich einerseits auf die persönliche Erfüllung zu konzentrieren und darauf, was einen selbst am glücklichsten macht, andererseits aber ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was hinter unserem alltäglichen Konsumverhalten steckt. Den eigenen Blick auf die Welt zu öffnen. Werde dir bewusst, was dein Kauf bedeutet. Das beginnt beim Herstellungsprozess bis hin zur Entsorgung.

„Diese Menschen, die viel Geld mit harter (und sinnentleerter) Arbeit verdienen und es verkonsumieren, arbeiten sehr an ihrem Ruf als gute Bürger. Sie arbeiten aber auch tatkräftig an der Zerstörung der Umwelt, der Verschwendung von Ressourcen und der Ausbeutung von Menschen, grade in den armen Ländern dieser Welt mit, welche unseren billigen Konsum durch ihre viel zu billige Arbeitskraft und Gesundheit erst möglich machen.“

Ein Zitat aus der Dokumentation True Cost**. Für mich definitiv eine lebensverändernde Dokumentation, die mich insbesondere bezüglich unseres Kleiderkonsums wachgerüttelt hat.

Auf meiner Rucksackreise habe ich gelernt, die wenigen Kleidungsstücke, die ich dabei hatte, wertzuschätzen. Ein neues wurde erst gekauft wenn das alte kaputt ging.

So kam es, dass mein Lieblingsponcho mein Reise-Fashiontrend wurde. Poncho around the world =D

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Und auch 6 Monate nach meiner Reise ist dieses Kleidungsstück nach wie vor mein Liebling. Überhaupt greifen wir alle doch meist zu denselben paar Lieblingsstücken, wenn es um die Kleidungswahl geht. Der Rest wird währenddessen in der hintersten Ecke des Kleiderschranks von Motten durchlöchert. So besitze ich lieber weniger, was aber stets zum Einsatz kommt, mir das lange herumstudieren morgens erspart und zudem den kompletten Modekonsumwahn und alle damit hergehenden Auswirkungen auf Menschen und Umwelt erspart.

Die böse Werbung

Seit jeher vermitteln uns die Werbebotschaften eines: Glück durch Konsum. Um unsere Probleme zu lösen, brauchen wir dieses oder jenes Produkt. Kaufe dies oder das, erhalte Ansehen und werde glücklich.

Werbebotschaften vermitteln uns einen vermeintlichen Mangel und geben uns die Antwort darauf, den Mangel zu beheben: Konsum und Geld auszugeben für Dinge, die einem das Glück versprechen. Doch genau hier liegt die Endlosspirale des Konsums. Wir geben Geld aus für (materialistische) Dinge, die uns das Glück versprechen und benötigen immer mehr Geld um immer mehr kaufen zu können. Somit ist noch mehr Arbeit nötig, welche leider der Grossteil unserer Gesellschaft in unzufriedenem Zustand vollbringt.

Schlussendlich ist es wichtig, Geld für das auszugeben, was einen glücklich macht. Ob das der Wunsch des Eigenheims ist, eine schöne Einrichtung, ein Hobby oder eine Reise… jeder definiert das selber. Schlussendlich setzen wir unsere Prioritäten individuell und sollen dort ausmisten und reduzieren, wo es uns nicht fürs persönliche Glück weiterbringt.

Tipps aus meinem Reduzierungs-Werdegang

  • Im Kleiderschrank definitiv mal ausmisten was nicht mehr passt oder kaputt ist.
  • In Intervallen immer wieder ausmisten – da findet sich ständig wieder was.
  • Die Kistenmethode: Dinge, deren Trennung man nicht übers Herz bringt in eine Kiste legen und mit einem fixen Datum beschriften. Wurde es bis zu diesem Tag nicht herausgenommen und verwendet, wird es auch nicht vermisst werden und kommt weg.
  • Die Freude am Verschenken und Spenden entdecken.
  • Die Freude am Sparen finden: Sparen auf ein Ziel oder einen grossen Traum und die Kasse mit verkauften Dingen oder Einsparungen füllen.

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  • Sich bewusst werden über die Notwendigkeit der Dinge. Brauche ich wirklich 20 verschiedene Piercings bei nur 1 Bauchnabel? (Wobei ich sowieso wechselfaul bin und ein Jahr lang dasselbe drin habe ^^). Sind wirklich 2 Sporttaschen nötig?
  • Sich informieren, Dokumentationen schauen, Bücher lesen über unsere Konsumketten.
  • Sich selbst an der Nase nehmen und öfters hinterfragen „Brauche ich das wirklich“ vor einem Kauf. Länger Zeit lassen für Käufe und Investitionen und wenn einem etwas wirklich nicht aus dem Kopf geht, sich den Artikel bewusst mit Freude gönnen und wertschätzen =)
  • Dinge nicht anhäufen sondern aufbrauchen und bei Bedarf nach dem Aufbrauchen ersetzen (insbesondere bei Kosmetikartikeln, Cremes etc.)
  • Eine Rucksackreise unternehmen oder Campen gehen um zu merken, wie viel Glück einem die Erlebnisse mit wenig materiellen Dingen geben.

Weiteres zu dem Thema**

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An Weihnachten zeigen wir unsere Liebe durch Geschenke. Doch das geht auch anders. Zum Beispiel mit einer gemeinsamen Unternehmung. Mit Zeit, die kostbarer ist als jede materielle Sache.

Bei weiteren Tipps, Fragen oder Anliegen bin ich gerne per Kontaktformular erreichbar oder die Kommentarfunktion unterhalb dieses Beitrags steht dir zur Verfügung.

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